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5.2.4.
Jesus wurde in Bethlehem in Judäa geboren, Mt 2,1; Lk 2,4; Micha 5,1. Die Weissagung in Micha 5,1 wurde erst

Jerusalem, Abendmahlssaal
Jerusalem, Abendmahlssaal

zur Zeit Jesu formuliert. Nur in Bethlehem ergab sich die Nähe zum Königshof des Herodes, der Burg Herodeion.

5.2.5.
Die Identifizierung von Nazara mit dem Ort Nazareth und von Nazo­raios und Nazarenos mit aus Nazareth ist eine späte Legende. Die Begriffe Nazara, Nazo­raios, Nazarenos gehen auf den hebräischen Begriff NaZUR mit der Bedeutung bewahrt zurück.

Ich vermute, das meint die Immuni­tät des Statthalters, die auch in der Versuchungsgeschichte in Mt 4,1ff und Lk 4,1ff (auf der Zinne des Tempels) angespro­chen wird.

Damit hat es folgende Bewandnis: Bei der Steinigung wird der Verurteilte einen Abhang hinabgestoßen und danach mit Steinen beworfen. In Lk 4,29 wird Jesus an den Abhang eines Berges geführt, um ihn zu steinigen, die Strafe wird aber nicht ausgeführt.

In der Versu­chungsgeschichte geht es um den Vorwurf der Gottes­lästerung, die mit Steinigung bestraft wird. Vor dieser Strafe kann der Satan (=Antipas) Jesus durch Gewährung von Immunität bewahren.

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1.5.5.
Ich vertrete die Meinung, die Evangelien und die Apostel­geschichte entstammen nicht einem mythischen Zeitalter und enthalten keine

Kairo, Mohammed Ali Moschee
Kairo, Mohammed Ali Moschee

Mythen. Die mythologischen Erzählungen von Göttern, Teufeln, Visio­nen usw. sind vielmehr ein zeitgenössi­sches literarisches Stilmittel, das der Interpretation bedarf, für die die klassische Philologie Hilfsmittel bereitgestellt hat. Wenn Jesus in Mt 16,23 zu Petrus spricht: Geh weg von mir, Satan, dann ist das kein Mythos, sondern Polemik.

Wer z. B. in Rom den Kaiser kritisieren wollte, tat das nie direkt, denn das hätte böse Folgen haben können, nein, man erzählte einen zwielichtigen Mythos über den Göttervater Zeus und jeder wusste, dass der Kaiser gemeint war.