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Auf William von Ockham, einen englischen Spät­scholastiker, wird ein philosophisches Prinzip zurückgeführt,

Haupttempel + Intihuatana, Machu Picchu, Peru
Haupttempel + Intihuatana, Machu Picchu, Peru


nach dem die jeweils einfachste Erklärung eines Phänomens gegenüber den komp­li­zierteren vorzuziehen ist. Wenn ein Sachverhalt oder ein Argument wahr und zugleich aus­reichend für eine Erklärung ist, dann sind andere Erklärungen abzu­lehnen.

Im Falle der Evolution des menschlichen Gehirn heißt das: Die darge­stellte biologische Erklärung der Entstehung des menschlichen Gehirns beruht auf wahren Sachverhalten und bietet eine ausreichende Erklä­rung. Alle komplizierteren Erklärungen, die auf dem Werk­zeug­­gebrauch, der Sprache oder anderen kulturellen Leistun­gen beru­hen, sind abzu­lehnen.

Beim Vergleich der Entwicklung des menschlichen Körpers ein­schließ­lich des Gehirns einerseits und der menschlichen Kultur andererseits ist die große zeitliche Lücke zwischen dem Auftreten des Homo sapiens vor ca. 250 000 Jahren und den ersten kulturellen Artefakten mit Symbolen vor ca. 60 000 Jahren in Südafrika zu berücksichtigen.

Diese große zeitliche Lücke ist ein weiterer Beleg für das zeitliche Aus­ein­anderfallen von vorangehender biologischer und späterer geistiger und kultureller Ent­wicklung.

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These 12

Ergebnis

Tempelplatz, Machu Picchu, Peru
Tempelplatz, Machu Picchu, Peru


Das menschliche Gehirn entstand auf rein biologischer Grundlage ohne die Einwirkung geistiger/kultureller Kräfte auf den biologischen evolu­tiven Prozess und zeitlich noch vor der Entstehung einer menschlichen Kultur.

Erläuterung:

Das Gehirn ist für den Organismus ein sehr teures, weil energie­inten­sives und bevorzugt mit Energie versorgtes Organ. Das Wachs­tum bis zur Größe des menschlichen Gehirns und das Wachs­tums­ende aufgrund der menschlichen Reproduktionsbiologie sind biologisch er­klär­bar.

Damit sind kompliziertere geistige oder kulturelle Ursachen nach dem philo­sophi­schen Prinzip von Ockhams Rasiermesser ausge­schlossen.

085

5.2.10.
Die Nachricht Mt 13,55, Jesus sei Sohn eines tekton, ist zu übersetzen mit Jesus ist auch einer von den tektons, so auch

Jerusalem, Grabeskirche
Jerusalem, Grabeskirche

die Paral­lele Mk 6,3. Der Semitismus verwendet die Vokabel Sohn für die Bezeichnung der Zugehörigkeit. Das griechische Wort tekton kann einen Bauhandwerker, aber auch einen Architekten, einen Baumeister, einen Bauherren bezeichnen.

Jesus wird als tekton, als Architekt und Baumeister vorgestellt, weil er – im Auftrag des Fürsten Antipas – die Stadt Tiberias, die neue Hauptstadt Galiläas, errichtet hatte.

Die Idee, der Handwerker­sohn Jesus hätte alle seine Weisheiten durch göttliche Eingebung erhalten anstatt durch flei­ßiges Studieren, widerspricht dem Prinzip von Ockhams Rasier­messer, wonach die einfachste Lösung die richtige ist.

016

1.4.10.
Meine Thesen sind dem Prinzip von Ockhams Rasiermesser verpflichtet. Dieses denkökonomische Prinzip wird dem englischen

Luxor, Feluke
Luxor, Feluke

Theologen und Philosophen William von Ockham (1290 – 1349) zugeschrieben, es besagt, dass man nur das absolut notwendige annehmen soll. Anders ausgedrückt: Die einfachste Hypo­these ist der komplexeren stets vorzuziehen. Es darf nichts zur Erklärung einer Tatsache als notwendig angenommen werden, das nicht auf eindeutigen Erfahrungen oder klaren Schlussfolgerungen beruht oder aus Glaubens­artikeln gefolgert werden kann.

Ein Beispiel: Das geozentrische Weltbild des Mittelalters zwang die Astronomen zu immer komplizierteren Berechnungen, um den Lauf der Gestirne präzise vorherzusagen. Nach dem Prinzip von Ockhams Rasiermesser ist das ko­per­nikanische Weltbild mit der Sonne im Zentrum dem geozentri­schen Weltbild vorzuziehen, weil es densel­ben Sachverhalt einfacher und eleganter beschreibt.