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Erläuterung

Straßenphotographie, Cusco, Peru, 1989
Straßenphotographie, Cusco, Peru, 1989


Der menschliche Geist entwickelte sich nach dem hier vorgestellten Modell gemäß der darwinschen Evolutionstheorie in kleinen und kleinsten Schritten. (1) Zuerst existierte das Gehirn, das all­mäh­lich ein immer größeres Volumen erreichte.

(2) Der Übergang zum Netzwerk war wie geschildert ein fließender, es dauerte viele Genera­tio­nen, bis sich das Netzwerk voll ausbildete. (3) Die Netzabhän­gigkeit der Individuen entstand auch nicht von heute auf morgen, sondern in klei­nen Schritten. (4) Der Motivationsimpuls, mit dem sich die Indivi­duen gegenseitig motivieren, entstand aus unbewussten Anfän­gen und entwi­ckelte sich allmählich.

Der menschliche Geist diente von Anfang an der Steuerung der Instin­kte durch Motivation, also durch Anfeuern oder Beschwichtigen, er ent­wickelte sich nicht etwa aus der Übermittlung von neutralen Informa­tionen.

Es lohnt sich, hier zur Illustration des Begriffs des Geistes auf die religiöse Tradition einzugehen, da die Religion ältere Wurzeln hat als die Philosophie. Am Anfang des Alten Testaments wird in 1. Mose 2 erzählt, wie der jüdische Gott Jahwe den Menschen (Adam) aus Lehm formte. Aber erst, als der Gott ihm den Geist ein­haucht, beginnt der Mensch zu leben, er hat Ideen für seine Lebens­gestaltung.

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V.      Die Anfänge des Geistes

These 19

Der menschliche Geist

Schuhputzer, Plaza de la Independencia, Quito, Ecuador, 1989
Schuhputzer, Plaza de la Independencia, Quito, Ecuador, 1989


Die Individuen der sozialen Gruppe aus These 18 sind netzwerkfähig, in­so­fern sie in einem Netzwerk kommunizieren und kooperieren kön­nen.

Nach mehreren Generationen sind die Nachkommen der netzwerk­fähigen sozialen Gruppe auch netzbedürftig, insofern sie ohne den Zuspruch und das Hilfsangebot der Gruppenmitglieder ihren Lebensmut einbüßen und deshalb ohne das Netz nicht überleben können.

Der Motivations­impuls der Netzmitglieder, der zum Lebensmut nötig ist, ist die Keimzelle des menschlichen Geistes. Wie unsere tierischen Verwandten benötigen wir Menschen zum Überleben unser Instinkt­kostüm, darüber hinaus bedürfen wir als Netzwerker der Motivations­impulse der Netzteilnehmer.