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4.4.7.
Die alttestamentlichen Erzählungen über Agrippa zeigen, dass er nicht nur Antipas beerbt hat, sondern auch das Werk Jesu

Westbank, Straßensperre am 5.9.1990
Westbank, Straßensperre am 5.9.1990

fortsetzen wollte, eine ideale jüdische Monarchie zu begründen. Die dünnhäutige Reak­tion der Kirche in Apg 12,23 demonstriert, dass die Apostel in Agrippa einen Konkurrenten gesehen haben.

4.4.8.
In der Zeit des Antipas entstanden jüdische Standpunkte, die Haupt­erzählfäden des Alten Testaments, die Mose-, die David-, die Kö­nigs- und die Josefgeschichten wurden begonnen, in der Zeit Agrip­pas wurden diese Erzählfäden weitergesponnen, die Schriften fortgesetzt.

Dabei ist das Bemühen erkennbar, in Nachahmung und Konkurrenz zu Rom große jüdische Literatur zu schaffen und eine große jüdische Kulturtradition zu begründen.

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4.4.5.
In der These 2.2.1 war der Beginn der Josef-Geschichte so gedeutet worden, dass er den Weg Jesu bis zu seinem Tod darstellte. Josef

Nablus, Josefs Grab
Nablus, Josefs Grab

(=Jesus) war von seinen Brüdern (=den Juden) getötet und begraben worden. Unter Agrippa gibt es eine Fortsetzung: Josef (nun als Agrippa verstanden) war, so erzählt es die Fortsetzung der Geschichte, nicht getötet, sondern nur eingekerkert worden, muss nun in ein fernes Land, Ägypten (=Rom), reisen.

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