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5.2.6.
Jesus war der Sohn einer Familie der judäischen Oberschicht, 1 Sam 16; 1 Kön 19,19ff, Lk 2,1ff. Wäre Jesus

Jerusalem, Via dolorosa
Jerusalem, Via dolorosa

aus der Unterschicht aufgestie­gen, müsste es Erzählungen über seinen sozia­len Aufstieg geben wie bei dem griechischen Fabeldichter Äsop, siehe Wolfgang Müller (Hrsg.): Das Leben Äsops, Leipzig 1974.

5.2.7.
Jesus wurde am Hof des Königs Herodes erzogen, 1 Sam 16,14ff. Die Erzählung, wie David an den Hof des Königs Saul kommt, ist eine Geschichte über Jesus.

5.2.8.
Jesus war seit seiner Jugend mit dem Herodessohn Antipas befreun­det, 1 Sam 18,1-4. Die Erzählungen von David und Jonathan beziehen sich auf Jesus und Antipas.

063

4.2.2.
Jesus wird im Alten Testament fast durchweg positiv dargestellt. Elisa und der Gottesmann sind positive Figuren, auch wenn der Gottesmann

Garizim, samaritanische Moschee, Versammlungsraum
Garizim, samaritanische Moschee, Versammlungsraum

nicht ohne Schuld ist. Absalom ist auch in seinem Aufstand sympathisch gezeichnet, wir erfahren, dass Antipas (David) um den toten Jesus (Absalom) getrauert hat. Nur Aaron (Jesus) hat gegenüber Mose (Antipas) eine negative Rolle zu spielen.

4.2.3.
Die Freundschaft zwischen dem jugendlichen David (Jesus) und dem Königssohn Jonathan (Antipas) ist ein besonderes Kapitel der jüdischen Messias-Geschichte: Hier wird der Übergang von der Herodes-Dynastie zu einer neuen Herrscherlinie, die mit Jesus beginnt, sanktioniert.

4.2.4.
Zusammenfassend kann man sagen: Jesus genoss in der Zeit vor dem jüdischen Aufstand, als diese Texte verfasst wurden, in der jüdischen Gemeinde hohes Ansehen. Die Trennung zwischen Juden und Christen, die nach 70 n. Chr. erfolgte, lag damals noch in weiter Ferne.