033

2.2.4.
Die wertvolle Kultstatue wurde im Jahr 169 v. Chr. von Antiochus IV. Epiphanes (175 – 164 v. Chr.) geraubt, als er auf dem Rückweg

Ninive, antike Statue
Ninive, antike Statue

von seinem zweiten ägyptischen Feldzug den Tempel in Jerusalem plün­derte, Josephus, CA II,7. Offensichtlich wurde das Kult­stand­bild dann nicht ersetzt, so dass Jahwe von da  an ohne ein Kultbild verehrt wurde.

Der Kontakt mit der hellenistischen Philosophie, die den Tierkult kritisierte, wird der Grund gewesen sein, warum das Kultbild nicht ersetzt wurde.

032

2.2.3.
Im Jerusalemer Jahwe-Tempel wurde Jahwe in Form einer wertvollen Eselsbüste als Kultstatue verehrt. Josephus schreibt:

Ninive, antike Stadtmauer
Ninive, antike Stadtmauer

Im Jerusalemer Tempel, so erfrecht sich Apion zu behaupten, hätten die Juden einen Eselskopf aufgestellt; den beteten sie an, und ihm gelte der ganze Gottesdienst (CA II,7). Tacitus berichtet, dass die Juden im Aller­heiligsten des Tempels das Weihebild eines Esels aufstellten (Historien V,4).

Den Christen wird im 3. Jahrhundert n. Chr. derselbe Vorwurf gemacht: Minicius Felix schreibt in dem Dialog Oktavian (28,7), dass die Christen den Kopf eines Esels weihen. In einer bekannten Spottzeich­nung aus dem 2./3. Jahrhundert n. Chr. auf dem Palatin (heute Rom, Antiquarium Palatin Inv. 381403) steht ein Soldat unter einem Gekreu­zigten mit einem Eselskopf. Die Bildinschrift lautet: Alexaminos betet seinen Gott an.

In den Evangelien reitet Jesus auf einem Eselsfüllen unter den Hoch-Rufen der Umstehenden in die Stadt Jerusalem ein, Mt 21,1ff, vgl. Sacharja 9,9. Im Alten Testament reitet der Prophet Bileam auf einer Eselin mit hellseherischen Fähigkeiten, Num 22,23ff. Da überall im Orient Tiergötter verehrt wurden, ist es nach dem Prinzip der einfachsten Erklärung (Ockhams Rasiermesser) sehr plausibel, dass die Juden das gleiche taten.

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II  2  Jahwe und der Eselskult

2.2.1.
Die traditionelle Meistererzählung über Jahwe geht so:
Seit alter Zeit war Jahwe der Gott der Juden, er wurde als

Assur, Torbögen, Rekonstruktion
Assur, Torbögen, Rekonstruktion

einziger Gott im vorhellenistischen Israel verehrt. Anklänge an polytheistische Vorstellungen sind durch die heidnische Götterwelt, mit der die Juden in Kontakt kamen, zu erklären. In die Geschichte von Bileam und der Eselin (Num 22,23ff) sind heidnische Gottesvorstel­lungen eingeflossen.

2.2.2.
Meine Thesen über Jahwe:

Die Gottesvorstellung des vorhellenistischen Judentums unterscheidet sich wenig von der altorientalischen Umwelt. Die Juden verehrten als Hauptgott Jahwe (auch Jahu oder Jao) und daneben andere Götter.

Die Juden im ägyptischen Elephantine verehrten eine Göttertrias von Jahu, Anath-Bethel und ’shm-Bethel. Das war kein Niedergang eines alten Monotheismus, sondern die typische Form der jüdischen Religion.