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Für das Neugeborene ist es überlebenswichtig,

Tempelberg + Intihuatana, Machu Picchu, Peru
Tempelberg + Intihuatana, Machu Picchu, Peru


wenn es schon nicht aktiv handeln kann, dann wenigstens die handelnden Personen zu verstehen, also zunächst die Mutter und deren Handlungen zuerst zu verstehen und später nach Möglichkeit auch vorauszusehen, d. h. ihre Intentionen zu erkennen und sich so zu verhalten, dass das gewünschte Pflegeverhalten erzielt wird.

Ebenso lernt die Mutter, das Verhalten und die Intentionen des Neugeborenen zu interpretieren, seine Intentionen und Wünsche zu erkennen. Hier ist der Ort, an dem das Mentalisieren zuerst entstand und weitere Ebenen der Intentionalität erprobt wurden, weil sie für das Überleben des Kleinkinds unbedingt erforderlich waren.

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IV.    Das vernetzte Gehirn

These 13

Mutter und Säugling 1

Intihuatana + Tempelberg, Machu Picchu, Peru
Intihuatana + Tempelberg, Machu Picchu, Peru


Die Hilflosigkeit des menschlichen Neugeborenen erfordert eine neue Form der Kommunikation. Der neugeborene Affe kann durch ziel­ge­richtete Handlungen kommunizieren.

Das menschliche Neuge­borene kann das nicht. Vielmehr muss die Mutter die Wünsche des Säuglings erraten, sie muss seine Intentionen verstehen, um die angemessenen Pflegehandlungen durch­führen zu können.

Erläuterung:

Während der neugeborene Affe bereits ein aktives Mitglied seiner sozialen Gruppe ist, ist das menschliche Neugeborene hilflos. Um die Mechanismen, die hier wirken, und die Fähigkeiten, die von den Indi­viduen beherrscht werden müssen, zu verstehen, sind die Phäno­mene des Mentalisierens und der Intentionalität wichtig.

Dunbar beschreibt sie wie folgt:

Nichtsdestoweniger haben Primatologen immer angenommen, daß es so etwas wie eine „soziale Kognition“ (ein soziales Erkennen) gibt. Diese Fähigkeit manifestiert sich bei Menschen in der Eigenschaft, sich in die Gedankenwelt eines anderen versetzen zu können (ein Phänomen, das in der psycho­logischen Literatur als „Mentalising“ – „Mentalisieren“ bekannt ist.

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