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3.2.3.
Im Kaisertum des Augustus war der Blick bereits über die Stadt Rom hinaus auf das Imperium, den Reichsfrieden im Imperium und die

Caesarea am Meer, Wasserleitung
Caesarea am Meer, Wasserleitung

Beteiligung aller Einwohner, sogar einschließlich der Sklaven, am politischen und religiösen Leben der Stadt Rom und des Reiches gerichtet.

3.2.4.
Die kleinasiatischen Städte suchten in hellenistischer und römi­scher Zeit, nachdem sie wohlhabend geworden waren, nach Mythen, die die eigene Vergangenheit mit der großen Vergangenheit Griechenlands ver­ban­den.

Es lief überall nach demselben Muster: Wohlstand schuf die Frage nach der eigenen Bedeutung, die eigene Größe wurde durch eine mythi­sche Vergangenheit erklärt und verklärt, und durch die Anbindung an eine noch ältere Kultur.

Tanja Susanne Scheer hat in ihrer Doktorarbeit Mythische Vor­väter, die 1993 in einer überarbeiteten Fassung als Buch erschien, viele inter­essante Beispiele für Städte außerhalb des griechischen Mut­ter­­landes beschrieben.

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3.1.3.
Die damals moderne Variante für die Lösung des Legitimationsproblems, die in Rom, aber auch in vielen hellenistischen Städten praktiziert wurde, war es,

Mossul
Mossul

keine neue Religion zu begründen, sondern durch fiktive Literatur eine neue Ahnengalerie zu kreieren, die den Bürgern das Bewusstsein ver­mittelte, von großartigen Vorvätern abzustammen, ihren kulturellen Standard und materiellen Wohlstand zu Recht zu genießen.

3.1.4.
Die jüdische Kultur war infolge der weiten Verbreitung jüdischer Siedlungen, der Ausbreitung jüdischer Bevölkerung außerhalb Judäas und der Verbreitung des Lesens und Schreibens in der römischen Zeit bereits auf halbem Wege zu einer Schriftkultur. Nur heilige Texte wurden noch nicht niedergeschrieben.