145

5.12.10.
Paulus war kein Missionar, überall, wo er hinkam, gab es schon

Patmos, Johanneskloster
Patmos, Johanneskloster

christliche Gemeinden. Paulus war Visitator, Organisator, Theologe. Pau­lus zog in die Organisation und Theologie der fröhlichen geist­begabten, aber theologisch, kultisch und organisatorisch unbedarften heiden­christ­lichen Gemeinden Korsett­stangen ein.

Die jüdische Basis der ur­christlichen Theologie, die im Neuen Testament ihren Niederschlag ge­fun­den hat, ist Paulus zu verdanken.

„145“ weiterlesen

122

5.5.22.
Jüdische Mission
Im Jahre 64 n. Chr. wurde der Jerusalemer Tempel endgültig fertig gestellt, zwei Jahre später begann der große Aufstand gegen

Bogazkale, Yazilikaya
Bogazkale, Yazilikaya

die Römer. Es bedarf keiner großen Phantasie, sich die jüdische Mission in dieser Zeit vorzustellen. Mit der Fertigstellung des Tempels verbanden die Juden die Hoffnung auf den Messias, dessen Kommen die Einhaltung der Religionsgesetze durch die Juden voraussetzte.

In dieser Situation kam es zum sogenannten antiochenischen Zwischen­fall (Gal 2,11ff): die jüdische Jesus-Gruppierung pochte in Antiochien auf die Einhaltung der jüdi­schen Speisegebote und verweigerte die Mahlgemeinschaft mit den Heidenchristen. Kephas, der Leiter der gnostischen Jesus-Bewe­gung, aß erst mit den Heidenchristen, um dann mit den jüdischen Jesus-Leuten die Mahlgemeinschaft zu verweigern und erntete dafür den Zorn des Paulus.

Die jüdische Mission war kein jahr­zehnte­langer Dauerkonflikt, sondern nur in der spezifischen Situation kurz vor dem jüdischen Krieg verständlich. Paulus sah hier zu Recht Rot, weil seine zentralen Anliegen Freiheit vom Gesetz und Einheit der Kirche gefährdet waren.