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8. Die biologische Uhr tickte, als drittes Ereignis ist der erste Tod

Vulkan Pichincha, Abstieg zur heißen Quelle
Vulkan Pichincha, Abstieg zur heißen Quelle

eines regierenden Herrschers zu vermelden, 34 n. Chr. stirbt der Tetrarch Philippus, seine Tetrarchie mit der neu erbauten Hauptstadt Caesarea Philippi bleibt vorerst führerlos.

9.  Während die bisherigen Krisen schnell unter Kontrolle ge­bracht werden konnten, beginnt im Jahr 35 n. Chr. eine Kri­se, die den ganzen Osten des Römischen Reiches in Aufregung versetzt.

In diesem Jahr stirbt der armenische König Artaxias, der mit Rom befreundet war. Der parthische Großkönig Arta­banos III. erwartet unter dem alternden Kaiser Tiberius den Niedergang Roms, erobert die armenische Haupt­stadt Arta­xata und setzt seinen ältesten Sohn Arsakes als armenischen König ein (Tacitus, Annalen 6,31 ff, Josephus, Alter­tümer 18,4,4).

Auf das Ende der römischen Macht im Osten werden Wetten angenommen.

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3. In Rom führen die Bemühungen Sejans, die sozialen Schran­ken

Vulkan Pichincha, Hügel über d. Hauptschlot
Vulkan Pichincha, Hügel über d. Hauptschlot

zwischen dem Ritterstand und dem kaiserlichen Hochadel zu überwinden, in die persönliche Katastrophe. Tiberius lässt Sejan am 18. Oktober 31 n. Chr. absetzen und sofort hinrich­ten und stellt die alte Machtordnung mit dem Kaiser an der Spitze wieder her.

Die Entmachtung Sejans schwächt in Palästina die Position Jesu und die des Pilatus. Jesus hat in Galiläa eine ähnliche Machtstellung, wie sie Sejan in Rom gerade zum Verhängnis wurde.

Die Gegenspieler Jesu haben nun neue Argumente gegen die Machtfülle des Statthalters Jesus in der Hand. Pilatus ent­stammt als römischer Ritter derselben Gesell­schafts­schicht wie Sejan und musste offiziell mit ihm zu­sam­men­arbeiten.

Da nun in Rom alle Kontakte Sejans überprüft werden, besteht für Pilatus ein Risiko, das ihn zwingt, alles zu tun, um in seiner Amts­führung zukünftig jeden Fehler zu vermeiden.

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13.     Die Passion: die historischen Ereignisse

Der Konflikt zwischen Rom und den Parthern 35/36 n. Chr. bildete die welt­historische Kulisse

Vulkan Pichincha, Schwefeldämpfe
Vulkan Pichincha, Schwefeldämpfe

für den Tod Jesu. In der Armenienkrise, die 35 n. Chr. ausbrach, wurde dieser Konflikt auf dem Boden der Klientel- oder Pufferstaaten von Armenien bis Palästina ausgetragen.

In Paläs­ti­na war die Lage durch die voran­gegangene Entlassung des populären Statthalters Jesus in Galiläa und den Tod des angesehenen Tetrarchen Philippus zu Beginn des Jahres 35 n. Chr. noch immer instabil.

Der orien­talische Teil der Bevölkerung wartete nur auf ein Zeichen römi­scher Schwäche, um sich – wie zwei Generationen zuvor gegen Herodes den Großen – mit einem nationalen Königtum unter die Oberhoheit des parthischen Großkönigs zu stellen.

Durch die Annalen des Tacitus und die Altertümer des Josephus sind wir über den weltpolitischen und den regionalen Konflikt in den Gründzügen informiert. Mit der Annahme, dass Jesus der samaritanische Prophet und Statthalter des Antipas war, können wir die Voraussetzungen und die Ereignisabfolge, die zum Tod Jesu führten, wesentliche besser verstehen.

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(2) Eine zweite Epochengrenze ist in den Jahren 68-70 n. Chr. anzusetzen.

Vulkan Pichincha, Kraterrand
Vulkan Pichincha, Kraterrand

Mit dem erzwungenen Selbstmord des Kaisers Nero endet 68 n. Chr. in Rom die kurze Epoche der Gottkaiser und zugleich die fast ein Jahrhundert währende Herrschaft der julisch-claudi­schen Kaiser aus der hochadeligen Familie des Augustus.

Im Vier-Kaiser-Jahr 69 n. Chr. gründet Vespasian die flavische Dynastie. Der neue Kaiser versteht sich nicht mehr als Gott, sondern als Mensch und verleugnet seine niedere Herkunft aus der italischen Provinz nicht.

In der flavischen Literatur erlebt das Epos, die Literaturform Homers und Vergils, mit den Dichtern Valerius Flaccus und Statius eine neue Blüte. Die Zeit bis Nero wird als eine abgeschlossene Epoche betrachtet, die es zu würdigen gilt und nach der eine Neubesinnung nötig ist.

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10.     Epochen und Epochengrenzen

Um das Jahr 30 n. Chr. regiert in Rom und in Palästina eine Altherrenriege,

Vulkan Pichincha, Schwefeldämpfe
Vulkan Pichincha, Schwefeldämpfe

die ihre politische Prägung noch unter Augus­tus erhalten hat. Von der Insel Capri aus dirigiert der 70jährige Kaiser Tiberius das Geschehen in Rom. In der Haupt­stadt des Reiches hält der Bevollmächtigte des Tiberius, der Ritter Sejan, alle Fäden der Macht in den Händen.

In Palästi­na herr­schen die Tetrarchen Herodes Antipas und Philippus seit über 30 Jahren in den nördlichen Provinzen, Antipas wird seit mehr als 20 Jahren von dem Statthalter Jesus unter­stützt.

Judäa und Samaria stehen als Provinz Judäa unter rö­mi­scher Verwaltung, seit 26 n. Chr. führt der Ritter Pontius Pilatus als Präfekt ein strenges Regiment.

Diese beschau­liche Idylle au­gus­teischer Stabilität und orientalischer Lebens­freude wird in den folgenden Jahren von einer Reihe von Ereignissen erschüt­tert, in deren Verlauf das Herrschafts­perso­nal voll­stän­dig aus­ge­tauscht und die politische Verantwortung in den Jahren 36/37 n. Chr. auf die Schul­tern einer neuen Generation gelegt wird.

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Als Herodes der Große 4 v. Chr. starb, gab Augustus das Reich an drei seiner Söhne. Die Aufgabe,

Vulkan Pichincha, Kraterrand
Vulkan Pichincha, Kraterrand

denen sich die Herodes­söhne stellen mussten, bestand darin, das feudal regierte Königreich ihres Vaters in moderne Monarchien nach augustei­schem Vorbild umzuwan­deln und den Einfluss der unter Hero­des mächtigen Aristokratie zurückzudrängen.

Die Fürsten sollten den wirtschaftlichen Aufstieg neuer sozialer Schichten begünsti­gen, die eine solide Machtbasis der Monarchien darstel­len würden.

Der älteste der Herodessöhne, Archelaos, der Judäa erhielt, scheiterte. 6 n. Chr. wurde er auf Verlangen der ju­däischen Aristokratie von Augustus entlassen und ins Exil geschickt. Judäa wurde, so wünschten es die Adelsfamilien, eine römische Provinz.

Philippus erhielt als seine Tetrarchie die nördliche Provinz mit der später ausgebau­ten Hauptstadt Caeserea Philippi. Er löste die Aufgabe der Umwand­lung in eine moderne Monarchie mit Bravour und starb hoch geachtet 34 n. Chr.

Antipas, der Vollbruder des Archelaos, erhielt das kleine, landwirtschaftlich reiche Galiläa und den Land­strich Peräa östlich des Jordan.

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5.       Zeitgeschichte

Drei Stichworte gibt es zum geschichtlichen Umfeld Jesu: Rom, die Parther und Galiläa.

Vulkan Pichincha
Vulkan Pichincha

(1) In Rom hatten die alten Adelsfamilien in der späten Republik durch Machtkämpfe den Staat an den Rand des Abgrundes geführt.

Kaiser Augustus war es gelungen, anstel­le der aristokratischen Herrschaftsform eine Monarchie zu errich­ten, die die Fassade der Republik wahrte und die alten Eliten durch vielfältige Verwaltungsposten und Ehrenämter in den neuen Staat einbezog.

Unter Augustus florierte die Wirt­schaft, ein Bauboom brachte Arbeitsplätze für die Unterschicht und Gewinne für die Unternehmer. Bildhauer und Dichter überboten sich im Lobpreis für Augustus, den ersten Mann im Staat, und das goldene Zeitalter ohne Krieg, das er heraufgeführt hatte.

Augustus wurde zum gefeierten Vorbild aller Monarchen dieser Zeit, auch der herodianischen Fürsten.