135

5.9.12.
Kephas, der spätere Leiter der Petrus-Kirche, ist nicht identisch mit Simon Petrus. Am Apostelkonzil hat nicht Petrus, sondern

Ephesus, Göttin
Ephesus, Göttin

Kephas teil­genom­men. Paulus hat nicht Petrus, sondern nur noch Kephas persön­lich kennen gelernt. Paulus unterscheidet in Gal 1f genau zwischen dem Judenapostel Petrus und dem Kephas, einer der drei Säulen Gal 2,9), dem er persönlich begegnet war.

134

5.9.11.
Der Tod von Jakobus und Simon, Fortsetzung 3: Hat Petrus überlebt? Hatte Lukas ein Motiv, um Petrus eine literari­sche Rettung

Ephesus, Tor
Ephesus, Tor

zuteil werden zu lassen? Ja, er brauchte des Petrus Anwesenheit beim Apostelkonzil in Jerusalem, Act 15,1ff.

Möglicherweise gab es zur Zeit des Lukas auch schon die Legende, dass Petrus nach Rom gekommen sei und dort den Märtyrertod erlitten habe.

In der Überlieferung, die Lukas vorfand, war vermutlich vom Tod des Petrus die Rede. Denn Lukas hat nur sehr schwache Zeugen für seine Variante, dass Petrus gerettet wurde.

Die Zweifel: Petrus selbst zweifelt, er glaubt an eine Vision anstelle der tatsächlichen Rettung. Die Gemeinde, zu der er kommt, zweifelt und öffnet zunächst das Eingangstor nicht, weil sie Petrus für einen Geist hält (sein Engel).

Die einzige Zeugin, die Lukas anführen kann, ist die Sklavin Rhode. Aber Frauen und Sklaven sind in der Antike bei Gericht schlechte Zeugen, weil man vermutet, dass sie stets zuguns­ten ihrer Männer bzw. ihrer Herren aussagen. Wenn Lukas diese Zeugin anführen muss, zeigt das, wie verzweifelt seine Lage in diesem Fall ist.

Nach dem Prinzip von Ockhams Rasiermesser ist die Version des Josephus die richtige, Petrus starb zusammen mit und auf die gleiche Weise wie Jakobus. Diese Argumentation wird auch dadurch gestützt, dass Lukas nach diesem Vorfall kein Erzählmaterial mehr über Petrus vorliegen hat, die Petrustradition bricht hier ab.

Und beim Apostelkonzil war nach dem Bericht des Paulus in Gal 2,9 nicht Petrus, sondern Kephas, der Nachfolger des Petrus als Leiter der Petruskirche, anwesend.

Ergebnis: Petrus wurde 46 n. Chr. zusammen mit Jakobus vom Statthalter Tiberius Alexander gekreuzigt.

133

5.9.10.
Der Tod von Jakobus und Simon, Fortsetzung 2: Die Art der Hinrich­tung: Meiner Meinung nach hat Josephus keinen Grund,

Ephesus, Bibliothek
Ephesus, Bibliothek

einen Sach­verhalt, der für ihn nicht besonders wichtig ist, zu verändern.

Warum nennt er Jakobus und Simon Söhne des Judas? Wie bereits gesagt, sind die Christen für Josephus Teil der jüdischen Aufstands­bewegung, die mit Judas, dem Galiläer begann, und in dem großen Aufstand gegen die Römer 66 – 70 enden sollte. Söhne meint ein­fach Anhänger, nicht etwa leibliche Söhne.

Die Bezeichnung Christen stand noch nicht zur Verfü­gung, denn nach Apg 11,26 wurden damals nur die Christen in Antiochien so genannt. Jakobus und Petrus waren auch nicht die Vertreter einer christlichen Gesamtkirche, sondern die Führer zweier getrennter Jesus-Bewe­gungen.

„133“ weiterlesen

132

5.9.9.
Der Tod von Jakobus und Simon, Fortsetzung 1: Der Sachverhalt: In Apg 11,28 und 12,1ff wird wie in Ant 20,5,2 eine Hungersnot

Ephesus, Palast
Ephesus, Palast

und darauf folgend die Hinrichtung eines Jakobus und eines Simon berichtet, die bei Josephus Söhne des Judas genannt werden, während in Apg 12,1ff Simon mit dem christlichen Namen Petrus bezeichnet wird.

Die Diffe­renz: Josephus berichtet die Kreuzigung durch den Statthalter Tiberius Ale­xan­der im Jahr 46, Lukas berichtet die Enthauptung durch den jüdischen König Agrippa I. im Jahr 44.

Ich sehe hier dasselbe Ereignis, das etwas verschieden über­liefert wird. Dafür spricht: Die Namen der Hingerichteten/ Eingeker­ker­ten sind identisch, die Situation ist iden­tisch: eine vorangegangene Hun­gersnot, man sollte an einen Hunger­aufstand denken, dessen An­­führer hinge­richtet wurden, die Zeit ist fast identisch.

131

5.9.8.
Simon Petrus wurde 46 n. Chr. zusammen mit Jakobus von dem Statt­halter  Tiberius Alexander gekreuzigt.

Ephesus, Flaniermeile
Ephesus, Flaniermeile

Die Apg berichtet in 12,1ff, dass nur Jakobus hingerichtet worden sei und Petrus überlebt habe. Dem steht der Bericht des Josephus in Ant 20,5,2 gegenüber, wonach Jakobus und Simon hingerichtet wurden.

Alexander liess auch Jakobus und Simon, die Söhne des Galiläers Judas … ans Kreuz schlagen.

Dabei ergeben sich mehrere Fragen. 1. Wird derselbe Sachverhalt be­rich­­tet? 2. Wann und von wem wurde welche Todesstrafe verhängt? 3. Hat Petrus überlebt? Ich gehe davon aus, das die einfachste Erklärung die richtige ist. Die Antworten folgen mit den nächsten Thesen.

130

5.9.5.
Seitdem die Christen die astrologische Fische-Ära als himmlisches Zeichen für das Reich Gottes

Ephesus, Theater
Ephesus, Theater

deuteten, wurden die christlichen Jünger und Missionare Fischer genannt.

5.9.6.
Auch Simon Petrus strebte nach dem Messias-Titel als Nachfolger des verstorbenen Jesus.

5.9.7.
Der Vater des Petrus hieß weder Johannes (Joh 1,42; 21,15ff) noch Jonas (Mt 16,17). Petrus war vielmehr durch Johannes-Jünger zum Glauben an Jesus gekommen, und Jonas ist der Prophet Jona in der gleichnamigen Prophetenschrift, in der die Geschichte Jesu im Alten Testa­ment als Prophetenerzählung dargestellt wird.

Petrus ist sowohl ein geistiger Sohn der Johanneskirche als auch des Messias Jesus, das wol­len die Vaterschaftsbezeichnungen aussagen. Verwandtschafts­be­zeich­nungen wie Bruder, Vater und Sohn werden in den alten Schriften häufig genutzt, um Abhängigkeiten oder Freundschaften zu bezeichnen, vgl. dazu auch 1 Makk 12,7.

129

V  9   Simon Petrus

5.9.1.
Der Gnostiker Simon Magus in Samaria, der eine eigene Anhänger­schaft besaß und von dem christlichen Täufer Philippus

Pergamon, Tempel, Säulen
Pergamon, Tempel, Säulen

zum johanneischen Christentum bekehrt wurde, gründete die dritte urchristliche Einzel­kirche und wird in den Evangelien Simon Petrus genannt.

5.9.2.
Simon Magus/ Petrus war als gnostischer Prediger aufgetreten und erkannte dann das große Potential der Berufung auf den landesweit bekannten Jesus.

5.9.3.
Simon Magus/ Petrus brachte neuen Schwung in die stille christliche Täufer­bewegung, indem er das erwartete Reich Gottes als das astrono­misch/ astrologische Zeitalter der Fische deutete, das damals das Zeit­alter des Widders ablöste.

5.9.4.
Der Siegeszug der Petrus-Kirche im Urchristentum schlug sich im christlichen Pfingstfest nieder, an dem die am Himmel sichtbare und astrologisch deutbare Bestätigung der christlichen Lehre von Reich Gottes als Durchbrechung der Sprach- und Kulturgrenzen mithilfe des Geistes Gottes gefeiert wurde.