154

31. Oktober 2017 = 500 Jahre Luthers Thesenanschlag

5.15.4.
Deshalb wurden die Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und

Istanbul, Hagia Sophia, Christus
Istanbul, Hagia Sophia, Christus

Johannes aufgenommen, dazu die Apostelgeschichte des Lukas, die Offenbarung des Johannes und die Briefsammlungen der Einzelkirchen.

5.15.5.
Der echte Brief des Paulus an Philemon und der unechte 3. Johannes­brief gehörten und gehören in den Kanon, weil sie die Einheit der Gesamtkirche in sozialer Hinsicht (Philemon) und in Glaubensfragen (3. Johannes) betonen.

5.15.6.
Die Beiträge der vier Apostelkirchen zum Kanon:

Einzelkirche  Evang., Apg.    Briefe                          Offenbarung   

Jakobus          Matthäus            Jakobus, Judas         –

Johannes        Johannes            1-3 Johannes           Johannes

Petrus             Markus               1-2 Petrus                 –

Paulus            Lukas, Apos-     Paulus-Briefe           –
                        telgeschichte     Hebräer                                           

Die Bibel kann so spannend sein, wenn wir sie neugierig erkunden können, an­statt der päpstlichen Auslegung zu folgen. Martin Luther 1520 (An den christlichen Adel…): Nicht die (Papst-) Kirche allein mit ihren Priestern und Professoren, nein, alle Christen, auch die Laien sollen die Bibel auslegen!

 Ich widerrufe nicht, sagte Martin Luther am 18. April 1520 auf dem Reichstag zu Worms, es sei denn, ich werde durch die Heilige Schrift oder durch die Vernunft widerlegt.

Das philosophische Denken, schrieb am 14. September 1998 in der Enzyklika FIDES ET RATIO (Absatz 104) Papst Johannes Paul II., ist oft das einzige Terrain für Verständigung und Dialog mit denen, die unseren Glauben nicht teilen.

153

V  15   Der Kanon des Neuen Testaments

5.15.1.
Die herrschende Meistererzählung über die Entstehung des neutesta­ment­lichen Kanons geht so: In der 1. Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr.

Istanbul, Hagia Sophia, Christus
Istanbul, Hagia Sophia, Christus

waren in den christlichen Gemeinden so viele Evangelien und Apostel­briefe im Umlauf, dass die Gemeinden die Spreu vom Weizen trennen mussten.

In den Kanon der für die christliche Religion maßgeblichen Schriften nahmen sie nur Schriften auf, die ihrer Ansicht nach einen der zwölf Apostel oder den Apostel Paulus als Autor hatten oder von einem der Apostel autorisiert waren wie z. B. das Lukasevangelium des Paulus­begleiters Lukas (Kol 4,14; 2 Tim 4,11; Phlm 24) vom Apostel Paulus.

5.15.2.
Die neuen Thesen über die Entstehung des neutesta­ment­lichen Kanons:

Der neutestamentliche Kanon wurde aus Schriften der drei palästinensi­schen Apostelkirchen des Jakobus, des Johannes und des Petrus und der heidenchristlichen Pauluskirche zusam­mengestellt.

5.15.3.
Kriterium der Aufnahme in den Kanon war die Ausgewogenheit der Herkunft aus den Teilkirchen und das Eintreten der Schriften für die Einheit der Kirche.

147

5.13.3.
Wer in der Antike an einem gewaltsamen Aufstand teilnahm und die Repräsentanten der öffentlichen Ordnung dabei töten wollte, hatte,

Patmos, Johanneskloster, Mönche
Patmos, Johanneskloster, Mönche

wenn der Aufstand scheiterte, sein Leben verwirkt. Insofern waren alle Teilnehmer des Jesus-Aufstands des Todes schuldig, als Pilatus sie besiegt hatte.

Pilatus kreuzigte aber nur Jesus und wenige andere Anführer, die meisten einfachen Teilnehmer konnten in ihre Heimat zurückkehren. Jesus ist deshalb (zusammen mit den anderen Anfüh­rern) tatsächlich stellvertretend für die vielen Mitläufer gestorben.

Am Anfang des Bekenntnisses für uns gestorben steht diese historische Erfahrung der Teilnehmer des Jesus-Zuges.

5.13.4.
Diese Erfahrung des tatsächlichen stellvertretenden Todes des adeligen und deshalb gottgleichen Jesus wurde in den urchristlichen Gruppen verschieden gedeutet. Es gab die persische Deutung der Selbstopferung Gottes, wie sie im Mithras-Kult begegnet.

Diese Deutung wurde ausge­drückt in den Deuteworten des Abendmahls in Mt 26,26-28par: dies ist mein Leib, dies ist mein Blut.

5.13.5.
Paulus und seine Tradition formulierten das ähnlich: Christus ist für uns, für unsere Sünden gestorben, Röm 5,6.8; 1 Kor 15,3.

145

5.12.10.
Paulus war kein Missionar, überall, wo er hinkam, gab es schon

Patmos, Johanneskloster
Patmos, Johanneskloster

christliche Gemeinden. Paulus war Visitator, Organisator, Theologe. Pau­lus zog in die Organisation und Theologie der fröhlichen geist­begabten, aber theologisch, kultisch und organisatorisch unbedarften heiden­christ­lichen Gemeinden Korsett­stangen ein.

Die jüdische Basis der ur­christlichen Theologie, die im Neuen Testament ihren Niederschlag ge­fun­den hat, ist Paulus zu verdanken.

„145“ weiterlesen

144

5.12.7.
Für Paulus war das Christentum nicht mehr politische Bewegung wie

Patmos, Skala
Patmos, Skala

für die Christen in Palästina, sondern eine bloße Religion, die den einzelnen Menschen und seine persönliche Lebensführung betraf.

5.12.8.
Der Kern der Differenzen zwischen Judenchristen und Heiden­christen betraf nicht irgendwelche jüdischen Kultvorschriften. Es ging um die Anerkennung der staatlichen Ordnung. Paulus verdeutlicht das in Römer 13,1: seid untertan der Obrigkeit, die Gewalt über euch hat.

Für Jakobus, Johannes und Petrus war die messianische Botschaft eminent politisch und Römer 13,1 nicht akzeptabel. Sie bezahlten dies mit ihrem Leben. Für Paulus und die Heidenchristen war Römer 13, 1 die Vorbedingung der bürgerlichen Existenz ihrer christlichen Gemein­den.

5.12.9.
Jesus ist für Paulus nicht mehr ein politischer Messias, der Gedanke, dass Paulus (wie die Palästinenser) danach gestrebt hätte, Jesus als politischen Messias zu beerben, ist abwegig.

Jesus ist für Paulus ein religiöser Messias, das Reich Gottes eine ideelle bzw. zukünftige Größe. Die erwartete Umwandlung auch der politischen Welt ist allein Gottes Sache und kann durch politische Aktionen der Christen nicht beein­flusst werden.

143

5.12.5.
Erst Paulus hat als ehemaliger Sklave die Sklavenstrafe Kreuzigung im Christentum salonfähig machen können. Als Jakobus und Petrus

Rhodos, Lindos, Reitesel
Rhodos, Lindos, Reitesel

46 n. Chr. gekreuzigt wurden, hat die mündliche Tradition die Todesart noch in eine Enthauptung (mit dem Schwert) umgewandelt, Act 12,2. Auch im Falle Jesus sprechen die ältesten Quellen nur von seiner Hinrichtung, nicht von Kreuzigung, Act 7,52.

5.12.6.
Elymas/ Paulus war zuvor Judenchrist (Barjesus = Sohn, d. h. Anhänger des Je­sus) gewesen, und wurde von Barnabas zum petrinischen Chris­ten­tum bekehrt.

142

5.12.4.
Folgende Eigenschaften des Paulus weisen auf den Freigelassenen hin (Fortsetzung):

4. die dem Freigelassenen aufgetragene Treupflicht gegen­über seinem

Rhodos, Lindos, Hafen
Rhodos, Lindos, Hafen

ehemaligen Herrn hat Paulus auf Jesus übertragen, dessen Botschaft sein Lebenssinn geworden ist,

5. Paulus nennt sich selbst Sklave, Röm 1,1, allerdings nun im übertragenen Sinn,

6. die Beschei­denheit, 1 Kor 15,8,

7. die Unsicherheit im persön­lichen Auftreten, die ganz im Gegensatz zu seinen Briefen steht, in denen er mit großer Überzeugungskraft wirkt.

8. Der Name Paulus: Der römische Name Paulus ist seltsam für einen Juden in Kleinasien. Im Falle der Bezie­hung Sklave – Herr fände der Name des Apostels eine natürliche Erklärung:

Paulus hat den Namen seines ehemaligen Herrn angenommen, vgl. den Beinamen des Historikers Josephus, der sich als Kriegsgefangener nach der Familie seines römischen Herrn Fla­vius nennt.

Saulus wird in der Apostelgeschichte erst ab der Zypernperikope (Act 13,9) Paulus genannt.

141

5.12.3.
Elymas/ Paulus war ein ehemaliger Sklave, ein Freigelassener des römi­schen Statthalters Sergius Paulus auf Zypern, der sich

Rhodos, Altstadt
Rhodos, Altstadt

nach seinem ehemaligen Besitzer Paulus nannte. Folgende Eigen­schaf­ten des Paulus weisen auf den Freigelassenen hin:

1. die Arbeitswut: nur Sklaven und Freigelassene arbeiten in der Antike soviel, 1 Kor 15,10,

2. der Stolz darauf, den eigenen Lebensunterhalt durch eigene Arbeit zu verdienen, 1 Kor 9,6: der Freie lebte in der Antike von der Arbeit seiner Sklaven oder von seinem Vermögen, der Intellektuelle von reichen Gönnern,

3. die hohe Wert­schätzung der Freiheit, seiner persönlichen Freiheit durch eigene Arbeit und der religiösen Freiheit vom jüdischen Gesetz: Ganz wütend wird Paulus dort, wo ihn jemand wieder zum Sklaven machen will, Gal 5,1 und öfter.

140

V  12   Paulus

5.12.1.
Die herrschende Meistererzählung über Paulus geht so: Paulus war ein Gegner der Christen und verfolgte sie, vor Damaskus

Athen, antiker Tempel
Athen, antiker Tempel

hatte er eine Vision des auferstandenen Jesus und wurde zum Apostel der Heiden. Sein Wirken und seine Missionsreisen werden in der Apostel­geschichte im Wesentlichen zutreffend beschrieben.

5.12.2.
Die neuen Thesen über Paulus:
Paulus ist der Magier Elymas Barjesus, der am Hofe des Statthalters Sergius Paulus auf Zypern lebte. Historisch ist der Sachverhalt so, dass nicht Paulus und Barnabas mit Johannes gemeinsam als Missionare an den Hof des Statthalters Paulus gingen, sondern Barnabas allein mit Johannes.

Barnabas traf dort den Magier Elymas Barjesus und bekehrte den Magier, der sich als freigelassener Sklave nach seinem Herrn Paulus nannte. Das ist der historische Kern der Erzählung Act 13,4ff.

135

5.9.12.
Kephas, der spätere Leiter der Petrus-Kirche, ist nicht identisch mit Simon Petrus. Am Apostelkonzil hat nicht Petrus, sondern

Ephesus, Göttin
Ephesus, Göttin

Kephas teil­genom­men. Paulus hat nicht Petrus, sondern nur noch Kephas persön­lich kennen gelernt. Paulus unterscheidet in Gal 1f genau zwischen dem Judenapostel Petrus und dem Kephas, einer der drei Säulen Gal 2,9), dem er persönlich begegnet war.

123

5.5.23.
Die Vereinigung der palästinensischen Jesus-Gruppen: In den Jahren nach 70 n. Chr. trennten sich die Jesus-Gruppen von

Troja
Troja

ihren Herkunftsbewegungen, die konfessionellen Gemeinden gingen in der heiden­christlich verfassten Gesamtkirche auf. Die Aufständischen wurden als Verräter gebrandmarkt (Verrat des Judas in den Evangelien, noch nicht bei Paulus) und aus der Gesamtkirche ausgeschlossen. Judentum, Täufer­bewegung und Gnostiker gingen eigene Wege.

Die Traditionen der Jesus-Gruppen fanden ihren Niederschlag in den damals entstehenden Evangelien des späteren Neuen Testaments. Die religiöse Auto­rität verschob sich von den geistbegabten Aposteln hin zu den Ortsgemeinden und den tradierten christlichen Überlieferungen.

5.5.24.
Das Ende der einzelkirchlichen Überlieferungen: Nach 135 n. Chr. wurden die Schriften der Einzel­kir­chen nach Proporz zum neutestamentlichen Kanon zusammen­gefasst, die Überlieferungen der Jesus-Gruppierungen gingen endgültig in der gesamt­kirchl­ichen Über­lieferung auf.

An die Stelle der Reibungen zwischen den alten Jesus-Gruppierungen traten neue Konflikte.

122

5.5.22.
Jüdische Mission
Im Jahre 64 n. Chr. wurde der Jerusalemer Tempel endgültig fertig gestellt, zwei Jahre später begann der große Aufstand gegen

Bogazkale, Yazilikaya
Bogazkale, Yazilikaya

die Römer. Es bedarf keiner großen Phantasie, sich die jüdische Mission in dieser Zeit vorzustellen. Mit der Fertigstellung des Tempels verbanden die Juden die Hoffnung auf den Messias, dessen Kommen die Einhaltung der Religionsgesetze durch die Juden voraussetzte.

In dieser Situation kam es zum sogenannten antiochenischen Zwischen­fall (Gal 2,11ff): die jüdische Jesus-Gruppierung pochte in Antiochien auf die Einhaltung der jüdi­schen Speisegebote und verweigerte die Mahlgemeinschaft mit den Heidenchristen. Kephas, der Leiter der gnostischen Jesus-Bewe­gung, aß erst mit den Heidenchristen, um dann mit den jüdischen Jesus-Leuten die Mahlgemeinschaft zu verweigern und erntete dafür den Zorn des Paulus.

Die jüdische Mission war kein jahr­zehnte­langer Dauerkonflikt, sondern nur in der spezifischen Situation kurz vor dem jüdischen Krieg verständlich. Paulus sah hier zu Recht Rot, weil seine zentralen Anliegen Freiheit vom Gesetz und Einheit der Kirche gefährdet waren.

121

5.5.21.
Eine ökumenische Begegnung: Zwischen 62 und 64 n. Chr. fand in Jerusalem das Apostelkonzil statt, auf dem die Heidenapostel

Hatuscha, Löwentor
Hatuscha, Löwentor

Paulus und Barnabas den Häuptern der palästinischen Jesus-Gruppierungen des Petrus, des Jakobus und des Johannes begegneten.

Die Berichte über das Apostelkonzil zeigen, dass die Jesus-Gruppen in Palästina noch als Einzelorganisationen bestanden, aber zusammen­arbeiteten und dass Paulus und Barnabas als Vertreter der heiden­christlichen Gemeinden aner­kannt, aber ihre Arbeit auch misstrauisch beäugt wurde.

120

5.5.20.
Konsolidierung
Der Apostel Paulus erlebte seine Bekehrung zwischen 48 und 50 n. Chr. und begann seine Tätigkeit als Apostel ab ca. 50 – 52 n. Chr. Paulus war

Masada, Mosaik
Masada, Mosaik

nicht eigentlich ein Missionar, dort, wo er hinkam, fand er meist schon Christen vor. Was Paulus auszeichnete, war seine fundierte theologische Ausbildung, sein Organisationstalent und sein Blick für das, was die neue Religion in Bezug auf Theologie, Kultus und Gemeindeleben am nötigsten brauchte.

Von der antiochenischen Gemeinde übernahm er die Idee des Einheits­­christentums mit einem unmittelbaren Bezug auf Jesus.

111

5.5.11.
Die Auferstehung: Die Täufersekte kannte wie die antiken Myste­rienkulte Tod und Auf­erstehung des Menschen und feierte dies

Masada, römisches Feldlager
Masada, römisches Feldlager

in der Taufe. Der Tod in der Taufe bedeutete das Ablegen des alten Menschen und die Auf­erste­hung in der Taufe die Umwandlung in einen neuen Menschen.

Jesus hatte den Tod in der Taufe nicht nur symbolisch wie die anderen Täuflinge vollzogen, sondern war tatsächlich gestorben und würde wegen seiner Verdienste von Gott auferweckt, das heißt in den Zustand der neuen Schöpfung, die alle erwarteten, versetzt werden.

Die österlichen Auferstehungserzählungen sind späte dichterische Ver­an­­schau­­lichungen des Auferstehungsglaubens, die Auferstehungs­for­meln, die Paulus in 1 Kor 15,3-5 zitiert, sind Bekenntnisformeln, keine Erfah­rungsberichte.

Die Rede von der Auferstehung Jesu be­schreibt eine Deutung seines Todes, sie bezeichnet weder ein histori­sches Faktum noch kann sie etwa als ein historischer Gottesbeweis in Anspruch genommen werden.

108

5.5.8.
Der geografische Ausgangspunkt des Urchristentums war Samaria-Sebaste. Hier war Jesus 36 n. Chr. gekreuzigt worden, von hier waren

Jerusalem, El Aksa-Moschee
Jerusalem, El Aksa-Moschee

die Proteste ausgegangen, die zur Absetzung des Pilatus geführt hatten. Hier wirkte Simon Magus, der die gnostische Jesus-Bewegung anführte und der in der christlichen Überlieferung zu Simon Petrus, dem Spre­cher der Jünger und der Apostel, wurde. Hier gab es die erste Täufer­gemeinde, die den gnostischen Geistempfang bei der Taufe noch nicht kannte, Act 8,12;16.

Und die große Rede des Stephanus, des ersten christlichen Märtyrers, in Act 7 atmet den Geist der samaritanischen Jesus-Bewegung des Jakobus: Stephanus verweist auf den samarita­nischen Messias, den Taeb, Act 7,37=Dt 18,15.

Hier startet die Mission mit Philippus in Act 8 und daran schließt Lukas in der Apostel­geschichte, nur unterbrochen von der Bekehrung des Paulus, die Missionstätigkeit des Petrus in Lydda, Joppe und Caesarea Maritima an.

103

5.4.5.
Petrus und Jakobus, die Gründer der Petrus- und der

Jerusalem, Felsendom (Omar-Moschee)
Jerusalem, Felsendom (Omar-Moschee)

Jakobuskirche (Erläuterungen dazu später), starben 46 n. Chr., Ant 20,5,2.

5.4.6.
Paulus wurde zwischen 48 und 50 n. Chr. zum petrinischen Christen­tum bekehrt. Wie noch zu zeigen sein wird, lebte Paulus vor seiner Bekehrung am Hof des römischen Statthalters Paulus, der aber frühestens 48 n. Chr. seinen Statthalterposten in Zypern antrat.

5.4.7.
Das Apostelkonzil fand zwischen 62 und 64 n. Chr. statt, 14 Jahre nach der Bekehrung des Paulus (Gal 2,1), die etwa im Jahre 49 anzusetzen ist.

5.4.8.
Die Apostelzeit endet 70 n. Chr. mit der Zerstörung Jerusalems und des herodianischen Tempels.

038

2.3.6.
P. Quintilius Varus, der im Jahre 9 n. Chr. im Teuteburger Wald Schlacht und Leben verlor, war zuvor 6 – 4 v. Chr. römischer

Hatra, Tempel
Hatra, Tempel

Proconsul von Syrien gewesen und hatte im Jahre 4 v. Chr. den Aufstand der Juden nach dem Tod Herodes‘ des Großen blutig niedergeschlagen.

Dass der mächtige Römer Varus, der in Syrien und Palästina offenbar mit Gottes Einver­ständnis geherrscht hatte, in Germanien plötzlich sang- und klanglos unterging, konnten sich die Juden nur so erklären, dass Gott ihn verworfen hatte.

Die Verwerfung Sauls in 1 Sam 15 hat ihr historisches Vorbild in dem Untergang des Varus, sogar der Hinterhalt im Tal, der Varus zum Verhängnis wurde, wird in 1 Sam 15, 5 erwähnt.

2.3.7.
Auch Jesus und Paulus waren Kinder ihrer Zeit und zwangsläufig, aber in unterschiedlicher Weise durch Rom geprägt. Dazu in späteren Thesen mehr.

024

1.5.10.
Die traditionelle Erzählung über Flavius Josephus und seine Bedeutung als Quelle für Jesus und das Urchristentum geht so: Wenn Josephus

Theben West, Lastesel
Theben West, Lastesel

Kenntnis von Jesus und den Christen gehabt hätte, hätte er sie selbst­verständlich erwähnen müssen. Da er sie nicht erwähnt, war die Sekte der Christen offenbar so unbedeutend, dass er sie nicht kannte oder zumindest nicht für erwähnenswert hielt.

Das Testimonium Flavianum (Ant 18,3,3) wird zu Recht als christlicher Einschub bewertet. So bleiben als einzige historische Informationen über christliche Sachver­halte bei Josephus in Ant 20,9,1 die Erwähnung der Steinigung des Herren­bruders Jakobus und in Ant 18,5,2 der Bericht über Johannes den Täufer.

1.5.11.
Ich vertrete dazu folgende Meinung: Bereits unter Kaiser Claudius (41-54 n. Chr.) gab es das bekannte Edikt, dass der Kaiser die Juden aus Rom vertrieb, weil sie, durch einen gewissen Chrestos (=Christus) aufge­sta­chelt, Unruhe stifteten, Sueton, Claudius, 25,4, vgl. Apg 18,2. Jose­phus war, das darf man annehmen, in Rom gut vernetzt, und die römische Christen­gemein­de, der schon Paulus einen Brief gewidmet hatte, dürfte seiner Aufmerk­sam­keit nicht entgangen sein.