187

Bitte um Stellungnahmen …, mein Anschreiben (Fortsetzung 7)

Es ist drittens keine Frage, dass Jesus in den meisten Texten der Evangelien als Prediger und als Vorbild christlicher Prediger geschildert wird.

Meerechse, Fernandina, Galapagos August 1989
Meerechse, Fernandina, Galapagos August 1989

Andererseits wird der Graben zwischen Jesus und den Jüngern stark betont (sinkender Petrus).

 

Paulus überliefert zwar Worte Jesu, Jesus ist bei ihm aber eher der Kultheros als der erste christliche Prediger. Ich plädiere auch hier für eine Öffnung der Wahrnehmung und für die Diskussion verschiedener Modelle.

 

„187“ weiterlesen

186

Bitte um Stellungnahmen …, mein Anschreiben (Fortsetzung 6)

Die Exegese der Evangelientexte folgt häufig unausgesprochen der jetzt sogenannten kanonischen Exegese,

Meerechsen, Fernandina, Galapagos August 1989
Meerechsen, Fernandina, Galapagos August 1989

die Ratzinger als vorbildlich darstellt, die aber weithin auch in der Theologie die Auslegung bestimmt: Der Einzeltext wird verkürzend im Sinne des Gesamtevangeliums und darüber hinaus des neutestamentlichen Kanons ausgelegt.

 

Im Sinne des Ansatzes von Werner Kelber sollte die Auslegung in der historischen Forschung aber geöffnet werden zu einer breiten Auslegung, zu verschiedenen Möglichkeiten des Verständnisses, zuerst zu der Frage, welche Botschaft hat die einzelne Perikope, welches Bild von Jesus vermittelt sie.

 

„186“ weiterlesen

185

Bitte um Stellungnahmen …, mein Anschreiben (Fortsetzung 5)

Werner H. Kelber hat in einem bedenkenswerten Aufsatz

Meerechsen, Fernandina, Galapagos August 1989
Meerechsen, Fernandina, Galapagos August 1989

(Der historische Jesus. Bedenken zur gegenwärtigen Diskussion aus der Perspektive mittelalterlicher, moderner und postmoderner Hermeneutik, in: Jens Schröter und Ralph Brucker, Der historische Jesus, 2002, S. 15-66) darauf hingewiesen, dass die Auslegungsbreite der biblischen Texte sich seit dem Mittelalter und in der Neuzeit vom vierfachen Schriftsinn auf dem wörtlichen Sinn und weiter auf den historischen Sinn der Texte verengt hat.

 

„185“ weiterlesen

184

Bitte um Stellungnahmen …, mein Anschreiben (Fortsetzung 4)

Ich plädiere deshalb erstens für die Trennung von Jesusforschung und Christusglaube.

Meerechse, Fernandina, Galapagos August 1989
Meerechse, Fernandina, Galapagos August 1989

Die Bevormundung der historischen Forschung zum Frühchristentum durch die Kirche sollte ebenso aufhören wie die Festlegung heutiger christlicher Identität durch die zufälligen und immer wieder zu revidierenden Ergebnisse historischer Jesusforschung.

 

„184“ weiterlesen

183

Bitte um Stellungnahmen …, mein Anschreiben (Fortsetzung 3)

Andererseits kann sich die Kirche nicht von den zufälligen Ergebnissen der historischen Wissenschaft abhängig machen.

Meerechse, Fernandina, Galapagos August 1989
Meerechse, Fernandina, Galapagos August 1989

Die kulturelle Identität der Christen beruht auf den allgemein­christlichen und konfessionellen Traditionen, denen die Kirchen mit ihrem religiösen und ethischen Erbe verpflichtet sind und die sie behutsam an die je aktuelle Situation anpassen müssen. Es wäre verfehlt, wenn sich die Jesushistoriker als die neuen Zuchtmeister des christlichen Glaubens aufspielen wollten.

 

„183“ weiterlesen

182

Bitte um Stellungnahmen …, mein Anschreiben (Fortsetzung 2)

Ich sehe Benedikt/ Ratzinger und die historische Jesusforschung, die er nicht negiert, sondern nur selektiv nutzt, auf demselben Weg, der die Vernunft als Vorstufe zum Glauben nutzen will.

Meerechsen, Fernandina, Galapagos August 1989
Meerechsen, Fernandina, Galapagos August 1989

Der Weg der Aufklärung, der Weg der modernen Wissenschaft ist aber die rigorose Trennung der Vernunft, der Wissenschaft von religiöser Bevormundung.

Dies hat zugleich die Autonomie der Religion, des Glaubens zur Folge. Die in der Aufklärung erkämpfte Trennung von Vernunft und Glaube, von Religion und Wissenschaft, wollen die Jesusforscher wieder rückgängig machen und tappen dabei in die Falle, in die schon die Scholastik mit ihren Gottesbeweisen getappt war.

 

„182“ weiterlesen

181

Bitte um Stellungnahmen …, mein Anschreiben (Fortsetzung 1)

Möglicherweise sind meine Thesen gewöhnungsbedürftig, deshalb hier noch einige Vorbemerkungen:

beim Ausbooten, Galapagos August 1989
beim Ausbooten, Galapagos August 1989

Das Scheitern der Leben-Jesu-Forschung, der Pluralismus, die Beliebigkeit und der fehlende Konsens der veröffentlichten Jesusbilder werden allseits beklagt. Nicht nur Martin Kähler, Luke Johnson und Klaus Wengst kritisieren die historische Jesusforschung und fordern die Rückkehr zum biblischen Christus des Glaubens.

Auch die Vertreter der Leben-Jesu-Forschung bis zum 3rd Quest, von Albert Schweitzer bis zu John D. Crossan sehen die Ergebnisse kritisch. Der Versuch, historische Vernunft und christlichen Glauben in der Jesusforschung glaubensfördernd zu verbinden, muss als gescheitert angesehen werden.

„181“ weiterlesen