238

(7) Verbreitung und Schluss:

Die Ilias entstand nicht vor dem Abzug der Assyrer aus Kilikien,

Nord-Seymor, Galapagos
Nord-Seymor, Galapagos

kaum vor 640 v. Chr. (so bereits Franz Dornseiff in der Einführung zu M. Riemschneiders großartigem Homerbuch, S. 10). Die schnelle Verbreitung ver­dankte das Epos aber vor allem seiner Bedeutung als Sternkata­log.

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237

Homer ist keine Grimm’sche Märchentante,

Puerto Ayora, Santa Cruz, Galapagos
Puerto Ayora, Santa Cruz, Galapagos

die traditionelle Geschichten weitergibt, er hat auch keine irgendwie mündlich bereits vorhan­dene Dichtung in die Schriftform überführt.

 

Homer ist auch nicht das einsame Genie, das eine großartige Dichtung aus dem Nichts her­vorbringt. vielmehr hat er die aktuelle Geschichte vom Untergang einer großen Kultur, die er erzählen will, in die heroische my­ke­nische Frühzeit versetzt, um sie zu über­höhen und zu verfremden.

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236

Homer ist bereits das, was man seit Kallimachos

Baumopuntie, Santa Cruz, Galapagos
Baumopuntie, Santa Cruz, Galapagos

(ca. 300 – 245 v. Chr.) einen poeta doctus nennt: ein Dichter, der mit Gelehrsamkeit brilliert (so vor ihm schon der assyrische Autor des „Achten Feldzugs“ Sargons).

 

Das Epos wird zur Enzy­klopädie des Wissens der Zeit. Homer bringt – ganz so wie später Vergil – eine Fülle von Anspielungen auf die zeitgenössi­sche Geschichte (siehe Schrott) und auf die Werke des noch wesentlich assyrisch geprägten literarischen Kanons in sein Epos ein.

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235

(6) Der Autor und das Publikum:

Das Publikum, dem Homer als Festvortrag

Baumopuntie, Santa Cruz, Galapagos
Baumopuntie, Santa Cruz, Galapagos

oder bei festli­chen Anlässen Episoden aus der Ilias vor­trug, war so gemischt wie das Epos vielschichtig ist.

 

Die äußere epische Handlungs­schil­derung war für das allgemeine Publikum, die gebildeten Bürger und die politischen Ent­schei­dungsträger, verständlich und der Vortrag eine Veranstaltung, die kulturelle Identität stiftete.

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234

Als die assyrischen Machthaber zwischen 650 und 630 v. Chr. aus Kilikien abzogen,

Kandelaberkaktus, Santa Cruz, Galapagos
Kandelaberkaktus, Santa Cruz, Galapagos

wurden Homer und seine Schreiber­kollegen arbeitslos. Sie pflegten die Dichtkunst und gaben Unterricht, vorzugsweise in Sternkunde, um aus hungrigen Landratten navigationssichere Seeleute zu machen.

 

Beim Unterricht in Sternkunde halfen ihnen die vorzüglichen astronomischen Sterntafeln der Assyrer, mit deren Hilfe Thales von Milet später die Sonnen­finsternis vom 28. Mai 585 v. Chr. voraussagen konnte.

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233

(5) Helden und Sterne:

Zurück zu Schrotts These vom Kulturbuchhalter Homer:

Tiquila, Bartolomé, Galapagos
Tiquila, Bartolomé, Galapagos

Schrott sieht richtig, dass die Griechen des 7. Jahrhunderts noch keine Kulturnation sind, die sich an Homers Schlachten­schilderungen nur ergötzen wollen. Deshalb miss­traut er zu Recht der Idee vom schöngeistigen Dichter Ho­mer.

 

Die Frage ist: Warum haben die Griechen dennoch ihren Homer von Anfang an so heiß und innig geliebt? Nur wegen der Prophezeihung künftiger griechischer Größe?

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232

Am Ende neigt sich der Schicksalsgott Zeus

Riesenlandschildkröte, Darwin-Station, Galapagos
Riesenlandschildkröte, Darwin-Station, Galapagos

der trickreich agierenden Hera und ihren tapferen griechischen Kämpfern zu und sanktioniert damit den Übergang des ge­schicht­lichen Hand­lungsmomentes in Kilikien von den Assyrern zu den kilikischen Griechen als göttlich vorher­bestimmt.

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231

Die Götterebene gestaltet Homer

Riesenlandschildkröte, Darwin-Station, Galapagos
Riesenlandschildkröte, Darwin-Station, Galapagos

nach der zeitgenössischen Adelswelt. Zeus versteht sich wie der assyrische Großkönig als Vollstrecker des unabwend­baren Schick­sals.

 

Die einzelnen Götter agieren wie die Fürsten der kilikischen Kleinstaaten mit relativer Unabhängigkeit, ohne das schick­salhaft vorherbestimmte Geschehen letztendlich beein­flussen zu können.

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230

Aus dem beobachteten historischen Geschehen wird bei Homer

Riesenlandschildkröte, Darwin-Station, Galapagos
Riesenlandschildkröte, Darwin-Station, Galapagos

ein von den (Sternen-) Göttern herbeigeführtes unabwend­bares Schick­sal. Homer gestaltet sein literarisches Troja zwar nach dem kilikischen Karatepe (Schrott), seine Botschaft ist aber wie die der israelitischen Propheten gegen Assur gerichtet.

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229

Bei Homer wird aus dem großstädtisch geprägten Assyrien

Riesenlandschildkröte, Darwin-Station, Galapagos
Riesenlandschildkröte, Darwin-Station, Galapagos

die mächtige Stadt Troja, aus dem Brauch der Assyrer, Frauen als Kriegsbeute zu entführen, die Entführung Helenas, aus dem Schlachtentod Sargons II. der Tod des trojanischen Helden Hektor.

 

Aus Sargons Vater und Vorvorgänger Tiglatpilesar III. wurde der greise trojanische König Priamos, aus Sargons Bruder und Vorgänger, dem nur kurz regierenden Salmanasser V., der Kilikien zu einer assyri­schen Provinz machte, der unheldische Paris, der mit dem Raub der Helena den Kriegsgrund lieferte.

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228

(4) Assur und Troja:

In der Ilias bedient sich Homer des alten Trojastoffes,

Rápida, Galapagos
Rápida, Galapagos

um vom Kampf der zeitgenössischen freien Griechen gegen die assyrischen Großkönige zu erzählen.

 

Er ent­wirft das Gemälde des heroischen Kampfes der freien Achaier und Danaer gegen eine dem Untergang geweihte despotische Macht.

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227

Das Thema des nicht bestatteten Helden

Rápida, Galapagos
Rápida, Galapagos

ist in der Antike seit der zwölften Tafel des Gilgamesch aktuell.

 

Homer greift es nach der Ilias in der Person des Elpenor (Odyssee X,552ff) noch einmal auf, Vergil in Aeneis 5,883ff (Palinurus).

 

Im Evangelium des Markus bemühen sich Josef von Arimathäa (15,43ff) und die Frauen am Grabe (16,1ff) um die würdige Bestattung Jesu.

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225

(3) Zorn und Versöhnung:

Homer führt uns mit seinem Epos

Rápida, Galapagos
Rápida, Galapagos

in das assyrisch besetzte Kilikien des Schicksalsjahres 705 v. Chr. In dem langen Krieg zwischen den Griechen Kilikiens und der assyrischen Großmacht ist eine Wende absehbar.

 

Zu Beginn seines Feldzuges triumphiert der Großkönig noch, aber seine Tage sind gezählt. Die Ilias schildert die mehrwöchige Vorge­schichte der verheerenden Niederlage und des ruhmlosen Todes des assyrischen Königs Sargons II. (in der Ilias: der trojanische Held Hektor), dessen Leichnam unbestattet in der Hand seiner Feinde zurückbleibt.

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224

Homer, der poly­glotte junge Grieche in der assyrischen Schreibstube,

Pinguin, Isabela, Galapagos
Pinguin, Isabela, Galapagos

der alles las, was er in die Finger bekam, sah schon um 650 v. Chr. im ehrlosen Tod Sargons II. und in den religiösen Selbstzweifeln der assyrischen Elite den Anfang vom Ende der assyrischen Macht.

 

Hellsichtiger als andere erkannte er das nahe Ende der assyri­schen Kultur, später als Epiker rief er die Griechen als die wahren Erben Assurs aus.

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223

(2) Assyriens Untergang:

Im Jahre 705 v. Chr. besiegten und töteten die Kimmerer

Flamingo, Rápida, Galapagos
Flamingo, Rápida, Galapagos

den assyrischen König Sargon II. in einer Schlacht, die wohl so ähnlich ablief wie die Niederlage des römischen Feldherrn Varus im Jahre 9 n. Chr. beim heutigen Kalkriese.

 

Sargon blieb unbestattet auf dem Schlachtfeld liegen, In Assyrien entstand daraufhin die zwölfte Tafel des Gilgamesch­Epos, man diskutierte heftig deren Thema, das Schicksal des unbestatteten toten Kriegers.

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222

Der römische Dichter Vergil nutzte den großen Homer

Bindenfregattvögel, Nord-Seymor, Galapagos
Bindenfregattvögel, Nord-Seymor, Galapagos

als Vorlage, um für seine Zeitgenossen den neuen Geist des augusteischen Rom auszudrücken.

 

Der Evangelist Markus hat die Schönheit des homerischen Schemas benutzt, um die christliche Überlieferung für seine Mitchristen in eine leicht erinnerbare und erzählbare Form zu bringen (siehe dazu meine Leserbrief in der FAZ vom 5. Februar 2008).

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221

Der Zweck der Ilias: Schrott findet die Antwort

Kormoran, Fernandina, Galapagos
Kormoran, Fernandina, Galapagos

bei dem assyrischen Großkönig Assurbanipal (668-630 v. Chr.) und seiner große Bibliothek in Ninive. Assurbanipal hat die gesamte damals bekannte Literatur in seiner Hauptstadt Ninive gesammelt, die er zur Nachfolgerin der 689 v. Chr. zerstörten Kulturmetropole Babylon machen wollte.

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220

Die Erläuterung:

(1)Tradition und Neubeginn:

Raoul Schrott zeigt in seinem Buch „Homers Heimat“

Kormoran, Fernandina, Galapagos
Kormoran, Fernandina, Galapagos

die Verwurzelung der Geschichten der Ilias in Kilikien, in den griechischen Städten Kilikiens. Diese grie­chischen Städte wurden im 8. und 7. Jahrhundert v. Chr. von der Expansion des assyrischen Reiches bedroht und setzten sich erfolgreich zur Wehr.

„220“ weiterlesen