128

V  8   Johannes

5.8.1.
Johannes der Täufer war einer der ersten politischen und religiösen Führer, die sich nach Jesu Tod auf ihn beriefen und in seinem Sinne tätig werden wollten.

Pergamon, Tempel, Detail
Pergamon, Tempel, Detail

5.8.2.
Johannes gründete die christlichen Täufer, die zweite urchristliche Jesus-Bewegung.

5.8.3.
In der christlichen Tradition wurde Johannes der Täufer zum Jünger und zum Lieblingsjünger Johannes.

5.8.4.
Johannes strebte nach dem Messias-Titel als Nachfolger des verstorbenen Jesus.

5.8.5.
Johannes wurde von Antipas 37 n. Chr. hingerichtet, sein Nachfolger in der Führung der Täuferkirche wurde in der christlichen Tradition eben­falls Johannes genannt.

100

5.3.5.
Jesus hat, da Antipas häufig außer Landes und in Rom war, selbst die Rolle und die Pflichten

Jerusalem, orthodoxe Juden
Jerusalem, orthodoxe Juden

eines Landesherrn wahrgenommen, Recht gesprochen, sich um die wirtschaftlichen und sozialen Probleme des Landes und sei­ner Bewohner gekümmert, so dass er schon zu seiner Zeit als Statthalter von der Bevölkerung als Landesvater wahrgenommen wurde.

5.3.6.
Jesus war verantwortlich für die Gründung und die Erbauung der Stadt Tiberias am See Genezareth. In der Modellstadt Tiberias konnte Jesus seine Ideen einer idealen Gesellschaft in praktischer Politik verwirk­lichen.

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099

V  3   Jesus – die Botschaft

5.3.1.
Die herrschende Meistererzählung über die Botschaft Jesu geht so: Jesus war beeindruckt von der Bußpredigt

Jerusalem, jüdische Familie
Jerusalem, jüdische Familie

Johannes des Täufers, in seiner eigenen Verkündigung predigte er aber einen gnädigen und lieben­den Gott, dessen Königsherrschaft mit gleichen Rechten für alle Menschen kurz bevor stehe und der in der Gemeinschaft der Jünger schon erfahrbar sei.

5.3.2.
Das sind meine Thesen über die Botschaft Jesu:

Jesus war ein jüdischer Staatsmann, er war der Statthalter des Fürsten Antipas und hat die Politik in Galiläa gestaltet. Religion war für Jesus nur eine flankierende Maßnahme zur Absicherung der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung.

5.3.3.
Jesus hat in seinem politischen Wirken die Regierungsform des Kaisers Augustus nachgeahmt (imitatio Augusti) und eine monarchisch verfasste Gesellschaft angestrebt.

5.3.4.
Jesus strebte für Galiläa eine Monarchie mit einem jüdischen Monar­chen, einem Messias,  an der Spitze an. Dieser Monarch, dieser Messias, konn­te nur der jeweils herrschende jüdische Fürst, für Jesus also Antipas sein.

097

5.2.22.
Im Alten Testament wird der Tod Jesu zweifach beschrieben. Die 1. Stelle ist 1 Kön 13,24: Der Gottesmann ist Jesus, der Löwe steht

Jerusalem, Klagemauer
Jerusalem, Klagemauer

für den Römer Pilatus. In V. 28 heißt es, der Leichnam des Gottessmannes sei – entgegen der Vermu­tung – unbeschädigt geblieben. Das ist ein literarisches Zitat aus Homer, Ilias 24, 18ff, wo von dem Leichnam der trojanischen Helden Hektor das gleiche ausgesagt wird. Auch in Joh 19,33 bleibt der Körper Jesu im Unterschied zu den Körpern der Mitgekreuzigten unbeschädigt (die Beine werden nicht gebrochen).

2.: In der Erzählung von Absalom (=Jesus) bleibt Absalom in den Ästen einer Eiche hängen (hängen = gekreuzigt werden), der herbeigerufene Joab (=Pilatus) tötet ihn mit drei Speeren. Das Motiv des Speers im Körper Jesu kehrt in Joh 19,34 wie­­der.

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093

5.2.18.
Nach seiner Wahl zum Nachfolger des Philippus wurde Jesus von Johannes dem Täufer zum jüdischen Mes­sias

Jerusalem, Blick vom Ölberg
Jerusalem, Blick vom Ölberg

ausgerufen, 1 Kön 13,23, von der Bevölkerung Galiläas wurde er als König Israels bejubelt, und Antipas musste vor der aufgebrachten Bevölkerung, die sich dem neuen Messias Jesus anschloss, fliehen, 2 Sam 15,14. Jesus zog im Triumphzug durch Galiläa nach Samaria, dem Ort des alten nordisraelitischen Heiligtums.

090

5.2.15.
Ca. 32 n. Chr. wurde Jesus auf Betreiben der neuen Gattin des Fürsten Antipas entmachtet. Was in den Evangelien

Jerusalem, antiker Säulenkopf
Jerusalem, antiker Säulenkopf

zur Passions­geschichte gehört, ist im Alten Testament als eigene kleine Erzählung überliefert: die Auseinander­setzung Jesu mit den Juden und die Verurteilung wegen Gottes­lästerung.

In der Erzählung von Nabots Weinberg (1 Kön 21) spiegelt sich die Auseinandersetzung der neuen Gattin des Antipas mit dem Statthalter Jesus. Die machtbewusste Herodias (=Isebel) neidet dem Statthalter Jesus seinen Einfluss auf Antipas (=Ahab) und erreicht die Verurteilung und Hinrichtung Nabots (=Jesu).

Jesus konnte sich zwar ins Exil nach Tyros retten, aber seine Karriere als Politiker war beendet, Mk 7,24-30 par. In der neutestamentlichen Erzählung ist bei Markus und Matthäus aus dem Streit zwischen Herodias und Jesus eine Diskussion darüber geworden, ob Jesus, der in Tyros weilt, mit seinen Heilkräften auch einer nichtjüdischen Frau (wie der Herodias) und ihrer Tochter helfen dürfe.

089

5.2.14.
Antipas hatte ca. 31 n. Chr. seine Frau verstoßen und seine Nichte, die Herodes­enkelin Herodias geheiratet. Johannes der Täufer

Jerusalem, Tempelmodell
Jerusalem, Tempelmodell

hatte daran Anstoß genommen und Antipas heftig kritisiert.

Die Auseinander­setzung wird in den Evangelien direkt und im Alten Testament in der Bathseba-Erzählung geschildert, wo der Prophet Nathan (=Johannes) den König David (=Antipas) im Auftrag Gottes tadelt.

Josephus schildert die Ereignisse ohne die moralische Kritik an Antipas. Texte zu dem Herodias-Skandal: 2 Sam 11f; Mk 6,14-29 par; Mk 7,24-30 par; Ant 18,5,1-2.