153

V  15   Der Kanon des Neuen Testaments

5.15.1.
Die herrschende Meistererzählung über die Entstehung des neutesta­ment­lichen Kanons geht so: In der 1. Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr.

Istanbul, Hagia Sophia, Christus
Istanbul, Hagia Sophia, Christus

waren in den christlichen Gemeinden so viele Evangelien und Apostel­briefe im Umlauf, dass die Gemeinden die Spreu vom Weizen trennen mussten.

In den Kanon der für die christliche Religion maßgeblichen Schriften nahmen sie nur Schriften auf, die ihrer Ansicht nach einen der zwölf Apostel oder den Apostel Paulus als Autor hatten oder von einem der Apostel autorisiert waren wie z. B. das Lukasevangelium des Paulus­begleiters Lukas (Kol 4,14; 2 Tim 4,11; Phlm 24) vom Apostel Paulus.

5.15.2.
Die neuen Thesen über die Entstehung des neutesta­ment­lichen Kanons:

Der neutestamentliche Kanon wurde aus Schriften der drei palästinensi­schen Apostelkirchen des Jakobus, des Johannes und des Petrus und der heidenchristlichen Pauluskirche zusam­mengestellt.

5.15.3.
Kriterium der Aufnahme in den Kanon war die Ausgewogenheit der Herkunft aus den Teilkirchen und das Eintreten der Schriften für die Einheit der Kirche.

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V  14   Das Markus-Evangelium

5.14.1.
Die herrschende Meistererzählung über das Evangelium des Markus geht so: Die Christen haben ihre Erinnerungen an Jesus

Istanbul, theodosianische Landmauer
Istanbul, theodosianische Landmauer

in der Gemeinde weitererzählt. Als die, die Jesus noch persönlich kannten, älter wurden, hat Markus ihre Erinnerungen gesammelt und aufge­schrie­ben und als Evangelium herausgegeben.

5.14.2.
Die neuen Thesen über das Evangelium des Markus:

Das Markus-Evangelium ist eine epische Dichtung, der Autor hat es nach Homers Ilias gestaltet.

5.14.3.
Markus hat die Passionsgeschichte innerhalb seines Evangelims nach der Praetexta Octavia des Pseudo-Seneca gestaltet.

138

5.11.5.
Die Marias im Neuen Testament sind wohlhabende Frauen, insbeson­dere Kauffrauen, die im Ruf alchemistischer Fähigkeiten standen

Ephesus, antike Toilette
Ephesus, antike Toilette

und die Christen materiell und finanziell unterstützten.

5.11.6.
Die Zeugung des Messias wurde als (alchemistischer) Schöpfungsakt verstanden, und nur einer ganz integren, also reinen Alchemistin konnte die Empfängnis des Messias mit Gottes Hilfe (Gottes Geist) gelingen.

Deshalb nannte man die Mutter des Messias nach der berühmten Alchemistin Maria. Dass sie Jungfrau genannt wird, weist auf ihre Rein­heit hin, deshalb muss Jesus in der Legende auch ihr erstgeborener Sohn sein.

5.11.7.
Auch die Auferstehung wurde als ein alchemistischer Schöpfungsakt angesehen. Sie wurde von den Maria genannten Frauen vorbereitet.

Als die Frauen an das Grab kamen und den Leib Jesu für die Auferstehung vorbereiten wollten, hatte der Schöpfergott als der Herr über die alchemistischen Kräfte und Geheimnisse die neue Schöpfung schon vollzogen und Jesus auferweckt.

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V  11   Maria und Joseph

5.11.1.
Die herrschende Meistererzählung über die Eltern Jesu

Ephesus, römischer Fußsoldat
Ephesus, römischer Fußsoldat

geht so: Die Hausfrau Maria und der Bauhandwerker Joseph waren die leiblichen Eltern Jesu.

5.11.2.
Die neue Grunderzählung über die Eltern Jesu geht so:

Maria war nicht der Name der Mutter Jesu. Der Name der Mutter gehört ebenso wie die Jungfrauschaft zur christlichen Legende der Herkunft des Messias.

5.11.3.

Maria war nicht der Name der im Neuen Testament Maria genannten Frauen, höchstens ihr Beiname.

5.11.4.
Maria war eine im Altertum sehr bekannte jüdische Alchemistin.

Literatur: Patai, Raphael: The Jewish Alchemists. A History and Source Book, Princeton, New Jersey 1994, S. 60-91; Schütt, Hans-Werner: Auf der Suche nach dem Stein der Weisen. Die Geschichte der Alchemie, München 2000, S. 117-126,

135

5.9.12.
Kephas, der spätere Leiter der Petrus-Kirche, ist nicht identisch mit Simon Petrus. Am Apostelkonzil hat nicht Petrus, sondern

Ephesus, Göttin
Ephesus, Göttin

Kephas teil­genom­men. Paulus hat nicht Petrus, sondern nur noch Kephas persön­lich kennen gelernt. Paulus unterscheidet in Gal 1f genau zwischen dem Judenapostel Petrus und dem Kephas, einer der drei Säulen Gal 2,9), dem er persönlich begegnet war.

113

5.5.13.
Die internationale Sprache der Astrologie: Zu Pfingsten, bei der Ausgießung des Heiligen Geistes, sagt die von

Masada
Masada

Lukas in der Apostelgeschichte zitierte Legende, hätten alle Diaspora­juden die Apostel in ihren verschiedenen Muttersprachen verstehen können.

Heute denken wir bei einer internationalen Sprache eher an die Kunst oder die Musik. In der Antike sollte man zuerst an die Astrologie denken, die von allen Völkern verstanden wurde.

Die Rede der Gnostiker von der astrologischen Ära des Widders, die geendet, und der neuen Ära der Fische, die gerade begonnen hatte, war eine Rede, die alle in ihrer Muttersprache verstanden.

Mit dem Sprach­wunder zu Pfingsten, einem Zeichen der Endzeit, wurde nach damaliger Auffassung die babylonische Sprach­ver­wirrung aus der biblischen Urgeschichte in Gen 11,7f aufgehoben.