374

Petruskirche 3: Den Petruschristen muss nach dem Messias­bekenntnis,

Berliner Mauer, Niederkirchner Strasse, 12.11.1989
Berliner Mauer, Niederkirchner Strasse, 12.11.1989

8,27-30, das Leiden als Kennzeichen des Messias und der Christen (ein Erbe aus der judenchristlichen Tradition) nahe gebracht werden, 8,31-9,1, bevor die Verwandlung Jesu in den himm­lischen Messias den Höhepunkt dieses Abschnitts und des ganzen Evangelienbuches bis 16, 8 bilden kann.

Markus setzt die Verwandlung Jesu, 9,2-13, genau in die mathematische Mitte des Evangeliums und zeigt damit die Bedeutung dieses Vorgangs. Jesus wird aber nicht von Engeln, sondern von Gestalten der jüdischen Vorzeit, Mose und Elia, flankiert.

373

Petruskirche 2: Der 2. Abschnitt beginnt wieder

Berliner Mauer, Niederkirchner Strasse, 12.11.1989
Berliner Mauer, Niederkirchner Strasse, 12.11.1989

mit einem Speisungs­wunder, 8,1-9, an das sich eine Zeichen­forderung der Pharisäer, 8,10-13, und der Bruch mit den Gegnern Jesu anschließt.

Die Hinwendung zu den Jüngern, ab 8,27, ist diesmal ausführ­licher gestaltet und gipfelt im Messiasbekenntnis des Petrus.  

Markus unter­streicht die Bedeutung des Folgen­den dadurch, dass er eine Blinden­heilung vorschaltet (das­selbe geschieht vor dem Einzug in Jeru­salem 10,46-52).

372

Die Überlieferung der Petruskirche: Der 1. Abschnitt variiert das Thema

Berliner Mauer, Niederkirchner Strasse, 12.11.1989
Berliner Mauer, Niederkirchner Strasse, 12.11.1989

des triumphalen Jesus. Die Natur­wun­der Speisung der 5.000 und Seewandel eröffnen die Erzählun­gen, wobei der Gang Jesu über den See dessen übernatürliche Kräfte zeigt und jeder natürlichen Erklärung des Speisungs­wunders die Berechtigung nimmt, 6,30-52.

Die nachfolgenden Heilungen durch Berüh­rung des Gewandsaums demonstrieren die besonderen Kräfte Jesu, 6,53-56.

Die Erörterungen über rein und un­rein mit kritischen Bemerkungen über die formale Religiosität des Judentums, 7,1-23, leitet über zu Heilungen Jesu im außerjüdi­schen Gebiet in Tyros und in der Dekapolis, 7,24-37. Jesus, so die Pointe dieses 1. Abschnitts, ist zu den Heiden ebenso wie zu den Juden gesandt.

371

Täuferchristen 3: Die Täuferchristen wollen mit Jesus jedem Men­schen

Berliner Mauer, Niederkirchner Strasse, 12.11.1989
Berliner Mauer, Niederkirchner Strasse, 12.11.1989

durch die Taufe den Mut zum Neuanfang geben. Die Menschen in Jesu Vaterstadt begreifen nicht, dass der Jesus, den sie zu kennen glauben, tot ist, dass Jesus ein ganz neues Leben begonnen hat, sie wenden sich von ihm ab, 6,1-6.

Die Aussendung der Zwölf zeigt die Ausstrahlung der neuen Lehre, 6,7-13. Im Anhang des täuferchristlichen Überlieferungsblocks wird die Legende vom Tod Johannes des Täufers erzählt, 6,14-29.

370

Täuferchristen 2: Im 2. Abschnitt wird das Thema alter/neuer Mensch

Berlin, Potsdamer Platz, 12.11.1989
Berlin, Potsdamer Platz, 12.11.1989

am Beispiel der Lebensalter des Menschen dargestellt. Zuerst hilft Jesus einem Menschen, der die Ketten der alten Lebensweise zerreißt, zu einem neuen Leben, 5,1-20.

In 5,21-43 sind die Lebensalter der Frau dargestellt. Das 12-Jährige Mädchen, das heiratsfähig wird und die Lebensperiode der Kindheit beendet, stirbt für seine Eltern, das Lebensalter der Fruchtbarkeit, der eigenen Familie beginnt.

Dieser Lebensabschnitt endet für die ältere Frau. Für diese beginnt mit der Menopause eine neue Zeit mit neuen Aufgaben.

369

In der Überlieferung der Täuferchristen geht es um Sterben und Auferstehen

Berlin, Potsdamer Strasse, 12.11.1989
Berlin, Potsdamer Strasse, 12.11.1989

in der Taufe. Der alte vorchristliche Mensch soll sterben und der neue christliche Lebensabschnitt beginnen. Symbole dafür sind das Samenkorn, das Entstehen und Wachstum der neuen Pflanze ermöglicht, oder die Lebens­abschnitte des Menschen.

Markus variiert im 1. täufer­christ­lichen Abschnitt das Thema des Samenkorns und führt ein in das Verstehen von Gleichnissen, 4,1-34.

Schritt für Schritt führt er den Leser zum Verständnis der Gleichnisse und des allmählichen Wachstums des christlichen Glaubens, der das Absterben des vorchristlichen Menschen in der Taufe vorbereitet.

Markus führt hin zum Verständnis der Sturm­stillung als Gleichnis für die Taufe. Die Jünger sterben beinahe, Jesus schenkt ihnen neues Leben, dasselbe geschieht dem Täufling, 4,35-41.

368

Jakobus 5: Im Anhang wird die Frage der Verwandt­schaft Jesu

Berlin, Potsdamer Strasse, 12.11.1989
Berlin, Potsdamer Strasse, 12.11.1989

gestellt, die Judenchristen beson­ders interessiert: Zählt die blutsmäßige Verwandtschaft, die Judenchristen bevorzugt, oder die Verwandtschaft des Geistes, die alle Christen gleichstellt?

Antwort: Es gibt keine Vorrechte für die Juden­christen, alle Christen sind gleich, es zählt nur die Verwandt­schaft des Geistes und der Nachfolge Jesu, 3,20-35.

367

Jakobus 4: Ein weiterer Kompromiss-Vorschlag:

Berlin, Siegessäule, 11.11.1989
Berlin, Siegessäule, 11.11.1989

Wenn der Sabbat grund­sätzlich nicht mehr gilt, können die Heidenchristen den Juden­christen nicht so weit entgegenkommen, dass wenigstens die Heilungen nicht am Sabbat, sondern an einem anderen Tag durch­geführt werden?

Die Antwort lautet wieder: Nein, die jüdischen Religionsgesetze fallen ersatzlos weg. Hier trennt sich die jüdische Obrigkeit von Jesus, das Volk läuft ihm zu, 3,7-12, Jünger (Apostel) werden berufen, 3,13,19.

366

Jakobus 3: Der 2. judenchristliche Abschnitt ist der Frage gewidmet:

Berlin, Siegessäule, 11.11.1989
Berlin, Siegessäule, 11.11.1989

Welche jüdischen Religionsgesetze gelten in der Gemeinschaft Jesu? Das wird an der Frage des Fastens und der Sabbat­heiligung exemplifiziert, 2,18-3,6.

Die Basis-Frage lautet: Müssen die Jesus-Jünger fasten? Antwort: Nein. Nun wird ein Kompromiss­angebot formuliert: Könnten die Jesus-Jünger nicht wenigstens am Sabbat fasten? Antwort: Nein.

365

Jakobus 2: In 2,21-12 wird die Ausgangsfrage nochmals variiert

Berlin, Reichstag, 11.11.1989
Berlin, Reichstag, 11.11.1989

Jetzt wird die moralische Ebene berührt: Nach dem äußeren Konflikt (Fähigkeit) und dem inneren Konflikt (Wille) wird das Problem nochmals verschärft als moralischer Konflikt dargestellt:

Darf Jesus heilen? Darf Jesus Gott spielen und die von Gott verhängte Strafe der Krankheit aufheben? In 2,13-17 wird die Frage der Sündenvergebung verallgemeinert.

Aus der morali­schen Frage wird die theologische: Darf Jesus die jüdisch gebotene Schranke zwischen dem Gottesvolk der Juden und den Heiden aufheben?

Die Botschaft, auf die der ganze Abschnitt hinausläuft, lautet: Ja, Jesus darf heilen und hat es getan. Hei­den können, wenn sie es wollen und glauben, zum Gottesvolk gehören.

364

Im 1. Abschnitt der Überlieferung der Jakobuskirche

Berlin, Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, 11.11.1989
Berlin, Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, 11.11.1989

(1,21-2,17) geht es um Heilungs­wunder. In 1,21-28 wird Jesus angegriffen. Hier wird die Basis-Frage gestellt: Kann Jesus den Kranken heilen?

In 1,40-45 wird die Frage variiert und auf den Willen abgestellt: Der Kranke will geheilt werden, will Jesus ihn heilen oder interessiert ihn das Leiden des Kranken nicht?

Ja. Jesus will ihn heilen (dass er das kann, weiß der Leser schon aus 1,21-28), der Kranke wird gesund.

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363

Die Einleitung des Verfassers Markus in sein Evangelium:

Berlin, Begrüßungsgeld für DDR-Bürger, 11.11.1989
Berlin, Begrüßungsgeld für DDR-Bürger, 11.11.1989

Nach der Überschrift in 1,1 hat die Ouvertüre 1,2-20 die Aufgabe, auf die ganze Dichtung und besonders den 1. Teil einzustimmen.

Markus versteht es, die drei Überlieferungs­stränge der Juden­christen, der Täuferchristen und der Petrus­christen (die den Geistempfang betonen, Apostelgeschichte 2,2.14) so zu verbinden, dass sich alle Christen repräsentiert fühlen können.

Das geschieht nicht zuletzt durch die Berufung der Jünger, die die vier urchristlichen Gruppen begründen: Simon Petrus, Andreas (steht für die griechischen Jesusanhänger), Jakobus und Johannes, 1,16-20.

362

Der 2., der judenchristliche Überlieferungsblock

Berlin, Potsdamer Platz, 12.11.1989
Berlin, Potsdamer Platz, 12.11.1989

hat die Ausstoßung Jesu zum Thema. Wie der Sündenbock in 3. Mose 16, 10 wird Jesus ausgestoßen, im 1. Abschnitt aus dem Volk Gottes (Jünger, jüdische Obrigkeit), 14,26-15,1

Im 2. Abschnitt wird Jesus aus der menschlichen Gemeinschaft der Heiden und des gemeinen Volks ausgestoßen, 15,2-37. Das eigent­liche Leiden Jesu ist auf diesen judenchristlichen Überlie­ferungsblock beschränkt.

Im 3., dem täuferchristlichen Überlie­ferungsblock geht es umge­kehrt um die Wieder­herstellung der Ehre Jesu, zuerst der irdischen Ehre, 15,38-47, dann der überirdischen Ehre Jesu, 16,1-8.

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361

Im 2. Teil gibt es wieder drei Überlieferungsblöcke

Berlin, Trabbis am Check Point Charlie, 12.11.1989
Berlin, Trabbis am Check Point Charlie, 12.11.1989

der drei christlichen Einzelkirchen Judenchristen, Täuferchristen und Petrus­christen.

Der kurze Überlieferungsblock der Petrus­christen um­fasst nur einen Abschnitt, der mit dem Abendmahl mit den zwölf Jüngern schließt, 14,1-25.

Hier findet das Wirken Jesu unter den Jün­gern Höhepunkt und Abschluss.

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360

Im 1. Teil des Markusevangeliums gibt es drei Überlieferungs­blö­cke,

Berliner Mauer am Brandenburger Tor, 11.11.1989
Berliner Mauer am Brandenburger Tor, 11.11.1989

beginnend mit Heilungswundern 1,21, mit Gleichnissen 4,1 und mit Naturwundern 6,30.

Diese Überlieferungsblöcke der Ju­den­christen, der Täufer­christen und der Petruschristen sind in sich gegliedert in einen 1. Abschnitt, in dem Jesus als souveräner Sieger anerkannt wird, 2,17; 4,41; 7,37.

In einen 2. Abschnitt steht am Ende die Trennung von den Gegnern, 3,6; 6,3; 8,15, und die Hinwendung zu den Jüngern. In einem 3. Abschnitt wird jeweils Sondergut der Einzelkirche angefügt.

Im einem 4. Überlie­ferungs­block folgt die Überlieferung der Juden­christen über Judäa- und Jeru­salem, ab 10,1, zu dem es keine Entsprechung der Täufer- und der Petrus­christen gibt. Jesu Wirken in Jerusalem bezeichnet Höhepunkt und Abschluss seines Wirkens in der Öffentlichkeit.

359

Bevor Markus die Überlieferungen seiner Quellen darstellt, bringt er

Berliner Mauer am Brandenburger Tor, 11.11.1989
Berliner Mauer am Brandenburger Tor, 11.11.1989

eine eigene Einleitung. In den wichtigsten Erzählungen der drei Überlieferungen, die Markus vorlagen, werden die drei Jünger Jakobus, Johannes, Petrus Zeugen des Geschehens, 5,37; 9,2; 14,33.

Durch die Zeugenschaft ihrer Stammväter werden die Juden­christen, die Täuferchristen und die Petruschristen auf die drei Ereignisse Auferweckung, Erhöhung und Leiden als die drei Hauptpunkte des gemeinsamen Glaubens­bekenntnisses ein­ge­schworen.

358

Die Zersplitterung der Christen in drei Einzelkirchen soll mit dem Mar­kus­evangelium

Berlin, Brandenburger Tor, 11.11.1989
Berlin, Brandenburger Tor, 11.11.1989

beendet werden. An ihre Stelle soll die ein­heit­liche christliche Kirche treten, 9,6.

Markus gliedert das Evan­gelium in zwei Teile: 1. den Triumph Jesu Kapitel 1-12 und 2. das Leiden Jesu Kapitel 13-16,8. Die Verse 16,9-20 sind in den ältesten Handschriften nicht enthalten, sie wurden später an das Evangelium angefügt.

Kennzeichen der Gliederung sind die Über­schrift 1,1, die zugleich für Teil 1 (Evangelium) gilt, und die Zwischenüberschrift in 13,1-2 für Teil 2 (Leiden), das Schlüssel­wort arche (Anfang, Grundlage) aus 1,1 wird in 13,8 wiederholt.

Weitere formale Kennzeichen sind die vier Jünger Petrus, Andreas, Jakobus, Johannes in 1,16.19 und 13,3, die Prophetie in 1,2-3 aus dem Alten Testament und in 13 die Prophezeiungen Jesu sowie das Ansprechen der Themen des 1. Teils (Evangelium) und des 2. Teils (Leiden) zu Beginn des jeweiligen Teils.

357

Bei der Gliederung des Evangeliums

Berlin, Brandenburger Tor, 11.11.1989
Berlin, Brandenburger Tor, 11.11.1989

gehe ich davon aus, dass Jakobus, Johannes und Petrus, die drei Säulen der Jeru­salemer Gemeinde aus Galater 2,9 drei urchrist­liche Gruppie­rungen mit eigenen Traditionen bezeichnen.

Markus fügt diese unterschiedlichen Traditionen zum ersten Mal zusam­men.

Drei Tempelzelte will Petrus nach 9,5 dem Gesetz (Mose), der Prophetie (Elia) und dem neuen Bund (Jesus) errichten.

Die drei Tempelzelte sind Symbole für die urchrist­lichen Strömungen Juden­christen, Täuferchristen und Geistchristen (Petrus­, christliche Gnosis).

356

Markus ist ein Dichter, sein Evangelium eine Dichtung, ein Prosa­epos im Stil der Zeit.

Jesus Seminar Oktober 2009 in Santa Rosa, Kalifornien, Fahrt nach Santa Rosa, 11. Oktober 2009
Jesus Seminar Oktober 2009 in Santa Rosa, Kalifornien, Fahrt nach Santa Rosa, 11. Oktober 2009

Das Evangelium des Markus ist nur einer litera­rischen Analyse zugänglich, offenbart dann aber den großen spirituellen Reichtum des Frühchristentums neben und nach Paulus.

Markus kann noch nicht auf christliche Vorbilder zurück­greifen, er knüpft in seiner Schrift an griechische und römische Literatur an. Er verwendet Erzählmotive aus christlicher Überlieferung und heidnischer Dichtung.

Die religiösen Vorstellungen kommen bei Markus aus allen Bereichen der antiken Religionen, besonders aus den Bereichen Astro­logie, Alchemie und religiöse Herrscher­verehrung.

Allgemeine religions­geschichtliche Bezüge finden sich im Markus­evangelium so häufig, dass es sinnvoll erscheint, sie wieder in den wissenschaftlichen Diskurs einzubringen.

355

Als das Kirchenschiff nach dem Untergang Jerusalems in schwere See geriet,

Jesus Seminar Oktober 2009 in Santa Rosa, Kalifornien; Professor Helmut Koester (1926-2016)
Jesus Seminar Oktober 2009 in Santa Rosa, Kalifornien; Professor Helmut Koester (1926-2016)

gab Markus die Losung aus: Den schlafenden Jesus wecken! (4, 38), sich auf Jesus besinnen.

Es waren nicht mehr die Jünger und Apostel der ersten Gene­ration, die sich wie Paulus ihrer Gott­unmittel­barkeit rühmen konnten, Galater 1,11-12, die die Kirche führten.

Es waren Christen der zweiten Generation, die mit menschlicher Tatkraft die Kirche einten, 9,39 und auf die Grundlage (arche 1,1) des Evange­liums von Jesus Christus stellten.