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Bitte um Stellungnahmen …, mein Anschreiben (Fortsetzung 1)

Möglicherweise sind meine Thesen gewöhnungsbedürftig, deshalb hier noch einige Vorbemerkungen:

beim Ausbooten, Galapagos August 1989
beim Ausbooten, Galapagos August 1989

Das Scheitern der Leben-Jesu-Forschung, der Pluralismus, die Beliebigkeit und der fehlende Konsens der veröffentlichten Jesusbilder werden allseits beklagt. Nicht nur Martin Kähler, Luke Johnson und Klaus Wengst kritisieren die historische Jesusforschung und fordern die Rückkehr zum biblischen Christus des Glaubens.

Auch die Vertreter der Leben-Jesu-Forschung bis zum 3rd Quest, von Albert Schweitzer bis zu John D. Crossan sehen die Ergebnisse kritisch. Der Versuch, historische Vernunft und christlichen Glauben in der Jesusforschung glaubensfördernd zu verbinden, muss als gescheitert angesehen werden.

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180

Bitte um Stellungnahmen …, mein Anschreiben vom 12. März 2018

Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr,

… Die Gestalt Jesu ist nach wie vor ein ungelöstes Rätsel und eine spannende Aufgabe für die neutestamentliche Wissenschaft.

"Bucanero" vor Isabela, Galapagos August 1989
„Bucanero“ vor Isabela, Galapagos August 1989

Ich habe mich bemüht, das Projekt des historischen Jesus als ein historisches Projekt, ein wissenschaftliches, vernunftbasiertes Projekt durchzuführen, das wissenschaftlich sachlich und wertneutral der Suche nach den historischen Anfängen des Christentums dient. Mein Ziel ist es insbesondere, den skeptischen Christen und den kirchenfernen Zeitgenossen die Entstehung der christlichen Religion plausibel verständlich zu machen.

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Bitte um Stellungnahmen von Theologen zu den Thesen des Blogs

Ist die kirchliche Jesus- und Bibelforschung eine Wissenschaft?

Meerechsen, Fernandina, Galapagos August 1989
Meerechsen, Fernandina, Galapagos August 1989

Um diese Frage zu beantworten, habe ich die 280 Thesen meines Blogs Anfang 2018 in Deutsch und in Englisch als Buch veröffentlicht und in Buchform an mehr als 150 Theologen, überwiegend Neutestamentler, in Deutschland, in Europa und Nordamerika mit der Bitte um eine Stellungnahme verschickt. Mein Anschreiben und die Antworten der Theologen werde ich im Blog veröffentlichen.

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(Fortsetzung) 6. Josephus kennt die Christen und schreibt über sie

Island
Island

und über Jesus. Seine oft polemischen Äußerungen widersprechen aber der kirchlichen Dogmatik und den gegenwärtigen theologischen Vor­stel­lungen, so dass sie von Kirche und Theologie nicht als Jesus und die Christen betreffend anerkannt werden.

 

  1. Jesus war, so konnte ich meinen neu erschlossenen Quellen entnehmen, kein religiöser Lehrer, sondern ein religiös verehrter Staatsmann.

 

  1. Die Jünger Jesu waren nicht seine Schüler, die ihm zu Lebzeiten nachfolgten, sondern religiöse Führer, die sich nach seinem Tod auf ihn beriefen und die ersten frühchristlichen Gemeinden gründeten.

 

  1. Zuletzt konnte ich die Entstehungszeit der Schriften des Alten Testaments genauer bestimmen: Die Schriften entstanden unter Herodes Antipas und Agrippa I. und wurden nach dem jüdischen Aufstand 66 – 70 n. Chr. ergänzt und abgeschlossen.

 

Damit war für mich das neue Paradigma vollendet und konnte in den Thesen vorgestellt werden

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Mein Weg zum neuen Paradigma

  1. Zuerst habe ich versucht, Jesus von allen Zuschreibungen
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zu befreien, die die antike Religionsgeschichte auch für andere Religionsstifter und religiös verehrte Herrscher bereithält. Außer der Kreuzigung durch Pilatus bleibt da wenig übrig. aber das ist genug, um die Historizität Jesu zu bestätigen.

 

  1. Davids Großreich wird in der Bibel ausführlich beschrieben, die Beschreibungen folgen allerdings hellenistischen literarischen Konventionen. Da es auch keine zuordenbaren archäologischen Überreste gibt, muss das Großreich Davids als literarisches Produkt einer späteren, frühestens der hellenistischen Zeit angesehen werden.

 

  1. Viele Einzelheiten der alttestamentlichen Geschichte weisen so viele Parallelen zur herodianischen Zeit auf, dass eine Entstehung des Alten Testaments vor der Herodeszeit nicht plausibel ist.

 

  1. Das Markus-Evangelium orientiert sich literarisch an Homers Ilias, es ist Literatur und gestaltet die Geschichte Jesu nach literarischen Gesichtspunkten, denen die geschichtlichen Fakten untergeordnet werden.

 

5. Die Mosegeschichte vom Auswanderer Mose wird in 2. – 4. Mose nach Vergils Aeneis literarisch gestaltet. So wie bei Markus werden die überlieferten Fakten dem literarischen Plot untergeordnet.

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(Fortsetzung) 3. Ich suche den faktischen Jesus. Dieser lebte in einer anderen

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Geschichtsepoche. Daraus ergeben sich viele Unterschiede zu unseren heutigen Auffassungen über Gott und die Welt. Für den Historiker ist es spannend und wichtig, solche Unterschiede herauszuarbeiten, um das Anderssein der historischen Person zu verstehen.

 

Dazu benötigt der Historiker dogmatisch korrekte, aber auch häretische Glaubensaussagen ebenso wie Aussagen von Gegnern Jesu, weil erst die Bandbreite der Informa­tionen die Möglichkeit zum vollen Verständnis bietet.

 

  1. Nach meinem Verständnis sind die Evangelien abhängig von antiken literarischen Vorbildern. In den Evangelien ist die Ästhetik (die Schönheit) des Erzählten wichtiger als die historische Korrekt­heit.

 

5. Mein Jesusbild kommt ohne die wissenschaftlich problematische Hypothese Gott aus.

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Wie entstand mein Jesusbild?

  1. Für mich ist es wichtig, den Menschen Jesus,
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der vor 2000 Jahren lebte, wiederzufinden. Dazu brauche ich möglichst viele, möglichst verschiedene Quellen. Deshalb habe ich Josephus ausge­wertet und im Alten Testament nach Berichten gesucht, die Ent­spre­c­hungen in den Evangelien haben, zum Beispiel Wunder­ge­schich­ten des Pro­phe­ten Elia.

 

2. Für mich besteht das Genie Jesu nicht darin, dass er alles selbst erfunden hat. Deshalb frage ich nach Parallelen von Jesu Botschaft in der heidnischen Umwelt und nach Einflüssen der Umwelt auf sein Denken.