386

Die Passionsüberlieferung der Johanneskirche: Dem stetigen Abstieg

Alt-Hamburg, Nikolaifleet, 1989
Alt-Hamburg, Nikolaifleet, 1989

über viele Stationen bis zum abso­luten irdischen Tiefpunkt hat Markus mit der Passions­über­lieferung der Johanneschristen den Wiederaufstieg gegenüber­gestellt.

Der Wieder­herstellung der irdischen Ehre Jesu, 15,38-47, folgt die Wieder­herstellung der überirdischen Ehre Jesu, 16,1-8. So wie Jesus beim Ab­stieg immer tiefer sinkt und seine Peiniger von immer nied­rige­rem Rang sind, so läuft der Aufstieg in umgekehrter Reihenfolge vom Rangniederen zum Ranghöheren.

385

Jakobuskirche 3: Dann keimt wieder Hoffnung auf für Jesus. Pilatus

Hamburg, Katharinenkirche
Hamburg, Katharinenkirche

hält ihn für unschuldig, 15,2-5, und das Volk erbittet einen Gnadenerweis zum Fest, 15,8.

Aber die Hoffnung ist von kurzer Dauer, das Leiden Jesu setzt sich fort, zuerst das seelische: Die Menge wird aufgehetzt und wendet sich von Jesus ab, 15,13. Pilatus ist feige und fügt sich dem Willen der Menge, 15,15.

Dann folgt das physische Leiden: Jesus wird verurteilt, verspottet, verprügelt, gekreuzigt. Auch die Passanten verspotten ihn, zuletzt die Mit­gekreuzigten. Sogar die Natur (die Sonne) wendet sich ab, 15,16-33.

Tiefer kann man nicht sinken. Jesus stirbt, 15,37. Ende des Lei­dens, Ende des juden­christ­lichen Teils der Passions­überlie­ferung.

384

Jakobuskirche 2: In Gethsemane sind die Jünger Jakobus, Johannes und Petrus,

Hamburg, Universität
Hamburg, Universität

die Stammväter der Juden­christen, der Täuferchristen und der Petruschristen, keine Hilfe für Jesus, 14,32-42. Als Jesus gefangen genommen wird, fliehen alle Jünger, 14,50.

Auch die jüdische Obrigkeit stellt sich gegen Jesus, 14,53-65, und während Jesus bekennt, verleugnet Petrus, 14,66-72. Jesus kann erst verhaftet werden, als die Jünger fliehen, er kann erst dann an die Heiden übergeben werden, als auch Petrus sich abgewendet hat.

Zum physischen Leiden Jesu kommt das seelische Leiden, weil keiner den Versuch macht, ihm zu helfen. Jeder versucht nur, seine eigene Haut zu retten.

383

Mit der Passionsüberlieferung der Jakobuskirche, 14,26-15,37,

Hamburg, Rathaus
Hamburg, Rathaus

erzählt Markus das Leiden Jesu als Verstoßung aus dem Volk Gottes, bestehend aus den Jüngern und der jüdischen Obrigkeit, und aus der menschlichen Gemeinschaft überhaupt.

Schien es zunächst, als würde nur Judas aus der Solidarität mit Jesus ausscheren, so kündigt Jesus nun den Abfall aller Jünger an, 14,27, sogar Petrus wird Jesus verleug­nen, 14,31.

382

In der Passionsüberlieferung der Petruschristen, 14,1-25,

Hamburg, Rathaus
Hamburg, Rathaus

werden Höhepunkt und Abschluss des Wirkens Jesu unter den Jün­gern gestaltet. Der Verlust der Souveränität Jesu setzt sich hier fort. Er ist immer weniger Herr des Geschehens.

Der Plan der Hohe­priester nimmt Gestalt an, 14,1-2. Bei der Salbung in Bethanien ist Jesus mehr Objekt als handelndes Subjekt, 14,3-9. Der Verrat des Judas, 10-11, setzt den göttlichen Heils­plan in Gang, dem Jesus sich nicht widersetzen will.

Das Abendmahl mit den Zwölf, 14,12-25, ist der Höhepunkt des Wirkens Jesu unter den Jüngern, aber auch die letzte Perikope, in der die Jünger zu Jesus halten.

381

Passion 2: In Markus 1,4ff ist Johannes der Zeuge,

Hamburg, An der Binnenalster
Hamburg, An der Binnenalster

jetzt werden es die Jünger sein. Der in 1,8 prophezeite Heilige Geist wird den Jüngern das Reden ermög­lichen.

Das Sterben und Auferstehen, in der Taufe vorweg­ge­nommen, wird in der großen Bedrängnis die ganze Welt betref­fen: Sie muss zugrunde gehen, um neu erschaffen zu werden, 13,14-20.

Der Versuchung Jesu entspricht die Versuchung der Gemeinde durch falsche Christusse. Das Motiv der vier Jünger wird wieder aufgenom­men durch die Auserwählten aus den vier Himmels­richtungen, 13,27.

380

Der 2. Hauptteil des Markusevangeliums, die Passionserzählung, beginnt

Hamburg, An der Außenalster
Hamburg, An der Außenalster

nach der Über­schrift wie der 1. Teil mit einer Ouvertüre (13, 3-37), in dem Motive aus der Ouvertüre zu Teil 1 wieder aufgenommen werden.

Die vier Jünger Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes werden in 13,3 genannt. Das Stichwort arche (=Anfang, Grundlage) aus 1, 1, kehrt in 13,8 wieder.

Die Frage wann? aus 13,4 war in 1,15 bereits beantwortet worden: die Zeit ist jetzt erfüllt.

379

Heute unterbreche ich den normalen Text, um etwas von mir zu erzählen.

Johannes Neumann in Machu Picchu
Johannes Neumann in Machu Picchu

Ich bin Johannes Neumann, wohne in der Nähe von Dresden in Deutschland. Seit meiner Jugend interessiere ich mich für das Christentum, für seine Entstehung und die Bibel.

Neben der Bibel interessiere ich mich für Wissenschaft, für Natur­wissenschaft und ihre Geschichte, für Astronomie, für Nikolaus Kopernikus, für Galileo Galilei, für Isaac Newton, für Albert Einstein. Überall folgt die Natur bestimmten Regeln, die wir Naturgesetze nennen. Wenn der Himmel klar und  das Wetter nicht zu kalt ist, schaue ich gern durch mein kleines Fernrohr, um Mond und Sterne zu beobachten.

Ich freue mich ganz besonders über jeden einzelnen, der meinen Blog liest und Kommentare schreibt. Es ist ganz toll, wenn ihr einen Link zu meinem Blog auf eure Homepage setzt oder mich in eurer Facebook-Gruppe weiter empfehlt. Meine Thesen sollen noch bekannter werden, damit sie in den Diskurs der Theologie Eingang finden.

Wer mich unterstützen möchte, findet ein Spendenkonto auf der Titelseite meines Blogs. Meine Bücher findet ihr auf www.johannesneumann.com

378

Judäa und Jerusalem 3: Ab Markus 11,12 verscherzt es sich Jesus

Hamburg, Stadttürme, 1989
Hamburg, Stadttürme, 1989

mit allen Gruppen: den eigenen Anhängern (Irritation, 11,14), den Hohepriestern, 11,18, den Ältesten, 11,28, allen Juden, 12,1ff, Pharisäern und Herodia­nern, 12, 13, den Sadduzäern, 12,18, den Schrift­gelehrten, 12,28-40, den Reichen, 12,41.

Am Schluss bleibt nur – am unteren Ende der sozialen Rang­ordnung – die arme Witwe, mit der Jesus noch nicht gebrochen hat. Jesus wird zur öffentlichen Unperson. Ende Teil 1.

377

Judäa und Jerusalem 2: Von 10,46 bis 15,37 gestaltet Markus den Abstieg Jesu

DDR Grenzanlagen bei Büchen, 11.11.1989
DDR Grenzanlagen bei Büchen, 11.11.1989

von öffentlicher ungeteilter Zustim­mung beim triumphalen Einzug in Jerusalem, 11, 9-10, bis zum Tod und zu allgemeiner Verach­tung, 15,28-37.

Zum Schluss wendet sich sogar die Natur von ihm ab, 15, 33. Zu Beginn ist Jesus noch souveräner Führer, er sorgt selbst dafür, dass er gesehen wird, 10,46ff.

376

Die Überlieferung zu Judäa und Jerusalem

Rückreise nach Ostberlin, 11.11.1989
Rückreise nach Ostberlin, 11.11.1989

Im Judäa betref­fenden Abschnitt geht es um inter­ne Probleme der Christen. Der Führungs­anspruch der Täuferchristen (Johan­nes) und der Judenchristen (Jakobus) wird zurückgewiesen, 10,35-45.

Die Jerusalem-Überlie­ferung der Jako­bus­christen führt zum äußer­lichen Höhepunkt des Wirkens Jesu im Einzug in Jerusalem, 11,1-11 und in der Tempelreinigung, 11,12-26.

Das Wirken Jesu wird aus judenchristlicher Sicht zusammenfasst: Jesus steht für ein erneuertes, gerei­nigtes Judentum.

375

Petruskirche 4: Den Schlusspunkt des Abschnitts

Berliner Mauer, Niederkirchner Strasse, 12.11.1989
Berliner Mauer, Niederkirchner Strasse, 12.11.1989

stellt aber die wieder ganz irdische Heilung dar, die nur mit Jesu Hilfe gelingt, 9,14-29. Das Fazit, das Markus zieht: Ohne Jesus sind die Jünger (die Apostel, die Kirche) hilflos.

Im 3. Abschnitt, der Sonder­überlieferung der Petruschristen, ste­hen zwei Erzählungen mit dem Aufruf zur Versöhnung unter den konkurrierenden ur­christ­lichen Gruppen, 9,33-41.

Die Pet­rus­christen als die stärkste urchristliche Grup­pe werden also er­mahnt, die anderen Gruppen als gleich­wertig anzu­erkennen.

374

Petruskirche 3: Den Petruschristen muss nach dem Messias­bekenntnis,

Berliner Mauer, Niederkirchner Strasse, 12.11.1989
Berliner Mauer, Niederkirchner Strasse, 12.11.1989

8,27-30, das Leiden als Kennzeichen des Messias und der Christen (ein Erbe aus der judenchristlichen Tradition) nahe gebracht werden, 8,31-9,1, bevor die Verwandlung Jesu in den himm­lischen Messias den Höhepunkt dieses Abschnitts und des ganzen Evangelienbuches bis 16, 8 bilden kann.

Markus setzt die Verwandlung Jesu, 9,2-13, genau in die mathematische Mitte des Evangeliums und zeigt damit die Bedeutung dieses Vorgangs. Jesus wird aber nicht von Engeln, sondern von Gestalten der jüdischen Vorzeit, Mose und Elia, flankiert.

373

Petruskirche 2: Der 2. Abschnitt beginnt wieder

Berliner Mauer, Niederkirchner Strasse, 12.11.1989
Berliner Mauer, Niederkirchner Strasse, 12.11.1989

mit einem Speisungs­wunder, 8,1-9, an das sich eine Zeichen­forderung der Pharisäer, 8,10-13, und der Bruch mit den Gegnern Jesu anschließt.

Die Hinwendung zu den Jüngern, ab 8,27, ist diesmal ausführ­licher gestaltet und gipfelt im Messiasbekenntnis des Petrus.  

Markus unter­streicht die Bedeutung des Folgen­den dadurch, dass er eine Blinden­heilung vorschaltet (das­selbe geschieht vor dem Einzug in Jeru­salem 10,46-52).

372

Die Überlieferung der Petruskirche: Der 1. Abschnitt variiert das Thema

Berliner Mauer, Niederkirchner Strasse, 12.11.1989
Berliner Mauer, Niederkirchner Strasse, 12.11.1989

des triumphalen Jesus. Die Natur­wun­der Speisung der 5.000 und Seewandel eröffnen die Erzählun­gen, wobei der Gang Jesu über den See dessen übernatürliche Kräfte zeigt und jeder natürlichen Erklärung des Speisungs­wunders die Berechtigung nimmt, 6,30-52.

Die nachfolgenden Heilungen durch Berüh­rung des Gewandsaums demonstrieren die besonderen Kräfte Jesu, 6,53-56.

Die Erörterungen über rein und un­rein mit kritischen Bemerkungen über die formale Religiosität des Judentums, 7,1-23, leitet über zu Heilungen Jesu im außerjüdi­schen Gebiet in Tyros und in der Dekapolis, 7,24-37. Jesus, so die Pointe dieses 1. Abschnitts, ist zu den Heiden ebenso wie zu den Juden gesandt.

371

Täuferchristen 3: Die Täuferchristen wollen mit Jesus jedem Men­schen

Berliner Mauer, Niederkirchner Strasse, 12.11.1989
Berliner Mauer, Niederkirchner Strasse, 12.11.1989

durch die Taufe den Mut zum Neuanfang geben. Die Menschen in Jesu Vaterstadt begreifen nicht, dass der Jesus, den sie zu kennen glauben, tot ist, dass Jesus ein ganz neues Leben begonnen hat, sie wenden sich von ihm ab, 6,1-6.

Die Aussendung der Zwölf zeigt die Ausstrahlung der neuen Lehre, 6,7-13. Im Anhang des täuferchristlichen Überlieferungsblocks wird die Legende vom Tod Johannes des Täufers erzählt, 6,14-29.

370

Täuferchristen 2: Im 2. Abschnitt wird das Thema alter/neuer Mensch

Berlin, Potsdamer Platz, 12.11.1989
Berlin, Potsdamer Platz, 12.11.1989

am Beispiel der Lebensalter des Menschen dargestellt. Zuerst hilft Jesus einem Menschen, der die Ketten der alten Lebensweise zerreißt, zu einem neuen Leben, 5,1-20.

In 5,21-43 sind die Lebensalter der Frau dargestellt. Das 12-Jährige Mädchen, das heiratsfähig wird und die Lebensperiode der Kindheit beendet, stirbt für seine Eltern, das Lebensalter der Fruchtbarkeit, der eigenen Familie beginnt.

Dieser Lebensabschnitt endet für die ältere Frau. Für diese beginnt mit der Menopause eine neue Zeit mit neuen Aufgaben.

369

In der Überlieferung der Täuferchristen geht es um Sterben und Auferstehen

Berlin, Potsdamer Strasse, 12.11.1989
Berlin, Potsdamer Strasse, 12.11.1989

in der Taufe. Der alte vorchristliche Mensch soll sterben und der neue christliche Lebensabschnitt beginnen. Symbole dafür sind das Samenkorn, das Entstehen und Wachstum der neuen Pflanze ermöglicht, oder die Lebens­abschnitte des Menschen.

Markus variiert im 1. täufer­christ­lichen Abschnitt das Thema des Samenkorns und führt ein in das Verstehen von Gleichnissen, 4,1-34.

Schritt für Schritt führt er den Leser zum Verständnis der Gleichnisse und des allmählichen Wachstums des christlichen Glaubens, der das Absterben des vorchristlichen Menschen in der Taufe vorbereitet.

Markus führt hin zum Verständnis der Sturm­stillung als Gleichnis für die Taufe. Die Jünger sterben beinahe, Jesus schenkt ihnen neues Leben, dasselbe geschieht dem Täufling, 4,35-41.

368

Jakobus 5: Im Anhang wird die Frage der Verwandt­schaft Jesu

Berlin, Potsdamer Strasse, 12.11.1989
Berlin, Potsdamer Strasse, 12.11.1989

gestellt, die Judenchristen beson­ders interessiert: Zählt die blutsmäßige Verwandtschaft, die Judenchristen bevorzugt, oder die Verwandtschaft des Geistes, die alle Christen gleichstellt?

Antwort: Es gibt keine Vorrechte für die Juden­christen, alle Christen sind gleich, es zählt nur die Verwandt­schaft des Geistes und der Nachfolge Jesu, 3,20-35.

367

Jakobus 4: Ein weiterer Kompromiss-Vorschlag:

Berlin, Siegessäule, 11.11.1989
Berlin, Siegessäule, 11.11.1989

Wenn der Sabbat grund­sätzlich nicht mehr gilt, können die Heidenchristen den Juden­christen nicht so weit entgegenkommen, dass wenigstens die Heilungen nicht am Sabbat, sondern an einem anderen Tag durch­geführt werden?

Die Antwort lautet wieder: Nein, die jüdischen Religionsgesetze fallen ersatzlos weg. Hier trennt sich die jüdische Obrigkeit von Jesus, das Volk läuft ihm zu, 3,7-12, Jünger (Apostel) werden berufen, 3,13,19.