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These 4

Evolutive Neuheiten

Festumzug, Cusco, Peru, 27. 8. 1989
Festumzug, Cusco, Peru, 27. 8. 1989


Evolutive Neuheiten entstehen nach Darwin und Mayr durch eine Funktionsverschiebung vorhandener Organe, die dabei gleichzeitig zwei Funktionen ausüben können, nicht aber durch die selektive Begünsti­gung eines neuen, noch nicht funktions­fähigen Organs.

Erläuterung:

Nach der Theorie von Charles Darwin vollziehen sich die evolutionären Veränderungen in sehr kleinen Schritten.

Nach dem Vorbild des Gradualismus in der Geologie, wo mehrere Kilometer hohe Gebirge in Millimeter-Schritten aufgefaltet werden und der heute Hunderte von Kilometern breite Atlantische Ozean sich infolge der Platten­verschie­bung jährlich nur wenige Zentimeter öffnet, erfolgt die Evolution von Lebewesen in denkbar kleinen Schritten von einer Generation zur nächsten.

Bei der Veränderung der Größe, der Farbe und anderer Merk­male, die einen fließenden Übergang gestatten, bietet die Vorstellung der allmählichen Änderung keine Schwierigkeiten. Aber wie sieht es aus, wenn aus dem Fisch plötzlich ein Landtier wird, wo kommen plötzlich die Beine zur Fortbewegung, die Lunge zum Atmen, die nicht austrocknende Haut her?

Wenn ein kleiner Raubsaurier zum Vogel wird, woher hat er plötzlich federbewehrte Flügel, um sich in die Lüfte zu erheben?

Wie kommt das Säugetier dazu, auf einmal statt Eier zu legen seine Jungen lebend zu gebären? Das alles sprach scheinbar gegen den Gradualismus und gab den Verteidigern der Evolutionstheorie Rätsel auf. Ernst Mayr schreibt dazu:

Einer der am häufigsten gegen Darwins Gradualismus vorgebrachten Einwände war, der Gradualismus sei unfähig, die Entstehung von „evolutiven Neuheiten“, d. h. völlig neuen Organen, neuen Strukturen, neuen physiologi­schen Fähigkeiten und neuen Verhaltensmustern, zu erklären.

Wie kann zum Beispiel ein rudimentärer Flügel durch die natürliche Auslese vergrößerte werden, bevor er seinem Besitzer die Fähigkeit zu fliegen verleiht? Wie kann ein beginnendes Organ von der Selektion begünstigt werden, solange es nicht voll funktionsfähig ist?

Darwin (…) gab die Antwort auf diese Frage, indem er darauf hinwies, daß das Schlüsselelement bei der Lösung dieses Problems eine Veränderung in der Funktion einer Struktur ist. Seine Lösung war jedoch allgemein unbekannt, bis Dohrn (…), Sevetsov (…) und Mayr (…) sie weiter­entwickelten. (Mayr 2002, S.491)

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