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Homer ist bereits das, was man seit Kallimachos

Baumopuntie, Santa Cruz, Galapagos
Baumopuntie, Santa Cruz, Galapagos

(ca. 300 – 245 v. Chr.) einen poeta doctus nennt: ein Dichter, der mit Gelehrsamkeit brilliert (so vor ihm schon der assyrische Autor des „Achten Feldzugs“ Sargons).

 

Das Epos wird zur Enzy­klopädie des Wissens der Zeit. Homer bringt – ganz so wie später Vergil – eine Fülle von Anspielungen auf die zeitgenössi­sche Geschichte (siehe Schrott) und auf die Werke des noch wesentlich assyrisch geprägten literarischen Kanons in sein Epos ein.

 

Homer bringt Zitate von ent­legenem Bildungs­gut (hapax legomena usw.), das nicht unbedingt alt, aber vor allem fremd und unbekannt sein muss. Die gebildeten Freunde Homers konnten auch die Struk­tur und die Querverweise im Epos verstehen und den Dichter zu immer neuen poetischen Höchstleistungen anstacheln.

 

Die sorg­fältige assyrische Ausbil­dung einerseits und die Befreiung vom Korsett erlernter literari­scher Konventionen durch den Abzug der Kolonialmacht ande­rer­seits ermöglichten es Homer, das neue griechische Epos auf eine bewährte literarische Tradition zu gründen.

 

Gleichzeitig konnte Homer der Überlieferung und den kulturellen Erfordernissen der neuen griechisch-kilikischen Stadtstaaten Rechnung zu tragen.

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