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Mein Leserbrief an die Frankfurter Allgemeine Zeitung (zu Raoul Schrott „Homers Geheimnis ist gelüftet“ vom 22. Dezember 2007), veröffentlicht in der Ausgabe vom 5. Februar 2008:

Blaufußtölpel, Nord-Seymor, Galapagos
Blaufußtölpel, Nord-Seymor, Galapagos

Wie die Ilias literaturgeschichtlich nicht ohne das Gilgamesch-Epos. so ist das Markus-Evangelium nicht ohne Homers Werk zu verstehen.

 

Raoul Schrott hat mir wieder bewusst gemacht, welch wichtige Vermittlerrolle Homer zwischen der altorientalischen Kultur, deren Mythen er aufnimmt, und der hellenistischen und römischen Welt, die ihn als Vorbild feiert, spielt.

 

Auch für die frühen Christen ist Homer ein selbstverständlicher Teil der sie umgebenden Kultur und der literarischen Ausdrucksformen. Ein wichtiger Aspekt, der bei Schrott nicht zum Tragen kommt, ist die Einbindung der Ilias in die Überlieferung und die literarische Darstellung des antiken Astralmythos, der im Buch Daniel klassisch als Abfolge von Weltzeitaltern beschreiben wird, Daniel 7.

 

Für die alten Völker begründete der gleichbleibende Sternenhimmel die göttlich garantierte stabile Ordnung der Welt. Das Kennzeichen dieser Ordnung war das über Generationen gleiche Frühjahrssternbild, das zum Frühlingsanfang am Morgenhimmel den baldigen Sonnenaufgang ankündigte.

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