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Bitte um Stellungnahmen … – die Antworten

Professor (em) Dr. Andreas Lindemann, Bielefeld, am 23. April 2018

Sehr geehrter Herr Neumann,

Reiseleiter Kratersee, Isabela, Galapagos August 1989
Reiseleiter Kratersee, Isabela, Galapagos August 1989

vor einigen Wochen schickten Sie mir freundlicherweise Ihre Studie „Das Jesus Puzzle“, verbunden mit der brieflichen Anfrage, ob „man unter Theologen ein Gespräch über meine Thesen führen“ kann oder ob ich in Ihren „neutralen Ausführungen … nur einen neuerlichen, eine atheistischen Angriff auf das Christentum“ sehen kann.

 

Sie verweisen dabei auf „manche Kollegen“, die offenbar in solcher Weise auf Ihre Thesen reagiert haben, ohne dass Sie allerdings Näheres dazu sagen.

 

Ich habe Ihre Studie inzwischen gelesen, und es fällt mit nicht ganz leicht, darauf zu reagieren. Dabei kann ich natürlich nicht zu allen Ihren 280 Thesen etwas schreiben; aber ich möchte doch vermeiden, dass sich bei Ihnen der Eindruck verfestigt, seitens der theologischen Wissenschaft verweigere man sich einer Diskussion Ihrer Überlegungen.

 

Im Untertitel geben Sie Ihren 280 Thesen die Überschrift „Fakten und Fiktion“. Zweifellos verweisen Sie in Ihrer Untersuchung auf viele Fakten, die der theologischen Wissenschaft, insbesondere auch der Exegese und Geschichtswissenschaft natürlich bekannt sind und die Sie vermutlich entsprechenden Publikationen verdanken. Insofern bin ich etwas verwundert über den an manchen Stellen recht aggressiven Ton gegenüber der wissenschaftlichen Arbeit.

 

Den von Ihnen verwendeten Begriff „Fiktion“ muss ich freilich auf einen großen Teil Ihrer eigenen Überlegungen anwenden. Vielfach stellen Sie nicht so sehr „Thesen“ auf, sondern formulieren einfach Behauptungen, ohne auch nur anzudeuten, wie Sie zu diesen Behauptungen gelangt sind.

 

Auch wenn Sie die theologische Jesusforschung unter „Ideologieverdacht“ stellen, dürfte Ihnen nicht entgangen sein, dass auch die theologische Jesusforschung mit den Mitteln der historischen Kritik nach Jesus fragt und nicht mit dem Ziel, die Richtigkeit der christologischen Lehrsätze der Kirche zu beweisen.

 

Dass „die Theologie“ die literarische Abhängigkeit der Evangelien von „heidnischer“ Literatur bestreitet, „um die Historizität der Erzählungen zu sichern, trifft für die Jesus- und Evangelienforschung gewiss nicht zu.

 

Sie behaupten (S. 15), die Theologie suche immer nach dem“ idealen Jesus“, der „in jedem Zeitalter als Vorbild dienen kann“. Vielleicht treffen Sie damit einen Teil der hauptsächlich populären Jesusbücher, aber ganz sicher nicht die ernstzunehmende wissenschaftliche Literatur.

 

Sie haben Recht mit Ihrer Feststellung, dass das Jesusbild der Theologie ohne den Bezug auf Gott „nicht plausibel“ ist; aber das liegt daran, dass Gott das entscheidende Thema von Jesu Predigt/Botschaft/Lehre (es hängt nicht am Begriff) war. Sie ziehen das in Zweifel, aber dazu müssten Sie irgendwelche Quellen nennen, die einen Jesus zeichnen, dessen Thema nicht „Gott“ ist.

 

Sie schreiben, Ihr Jesusbild komme „ohne die wissenschaftlich problematische Hypothese Gott aus“ (S. 16). Dagegen ist gar nichts zu sagen – nur müssten Sie hinzufügen, dass offenkundig Ihr Untersuchungsgegenstand, nämlich Jesus (soweit er uns aus den Quellen zugänglich ist), nicht ohne diese „Hypothese“ auskam.

Ein Gedanke zu “195

  1. In Vortr gen zum Reformationsjubil um versuche ich stets, eine Balance zwischen dem evangelischen Erbe der Reformation und der kumenischen Offenheit zu betonen. Es geht mir darum, einerseits klar zu machen, dass die Fragen Martin Luthers an seine Kirche mit Blick auf Ablass, Kirchenverst ndnis, Abendmahlsverst ndnis, Priestertum, Z libat und Papsttum bleibende Fragen sind f r die Kirchen, die aus der Reformation hervorgegangen ist. Gleichzeitig betone ich immer wieder, uns sei heute klar, dass uns „mehr verbindet als uns trennt“ mit Blick auf die r misch-katholische Kirche.

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