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5.2.20.
Pontius Pilatus, der Präfekt von Judäa und Samarien, sah in dem Triumphzug Jesu einen antirömischen Aufruhr, zerstreute

Jerusalem, Felsendom und Klagemauer
Jerusalem, Felsendom und Klagemauer

die Volks­menge und ließ Jesus und die anderen Anführer 36 n. Chr. am heiligen Berg Garizim in Samarien kreuzigen. Josephus schreibt (Ant 18,4,1):

Unterdessen hatten auch die Samariter sich empört, aufgereizt von einem Menschen, der sich aus Lügen nichts machte und dem zur Erlangung der Volksgunst jedes Mittel recht war. …

Pilatus … besetzte den Weg, den sie zurücklegen mussten, mit Reiterei und Fussvolk. Diese Streitmacht griff die Aufrührer an, hieb eine Anzahl von ihnen nieder, schlug den Rest in die Flucht und nahm noch viele gefangen, von welch letzteren Pilatus die Vornehmsten und Einflussreichsten hinrichten ließ.

Josephus war ein Gegner des Christentums und hätte die Angelegenheit Jesus wohl am liebsten ganz verschwiegen. Er musste aber erklären, warum die Samaritaner sich bei Vitellius, der Statthalter von Syrien, beschwerten und Pilatus daraufhin abgesetzt wurde.

Josephus will Jesus möglichst negativ darstellen und wählt dazu drei literarische Mittel: 1. Josephus muss zugeben, dass Jesus viele Anhänger hatte. Aber, sagt er, es waren keine überzeugten Jesus­anhänger, sondern Jesus war ein Populist, der den Leuten nach dem Munde redete und so mehr Anhänger gewann als ein seriöser Redner, der seine Zuhörer überzeugt.

2. Josephus nennt Jesus einen Betrüger, einen Menschen, der sich aus Lügen nichts machte. So wird es für den Leser leichter, keine Sympathie für den später Gekreuzigten zu entwickeln und die Strafe als gerecht­fertigt anzusehen.

3. Demselben Ziel dient es, dass Josephus den Namen Jesu nicht nennt, denn ein Mensch, dessen Namen der Leser kennt, erweckt eher sein Mitgefühl als eine anonyme Person.

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